Ja, ich habe das Tongariro Crossing nicht gemacht!

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Wenn es eine Wanderung in Neuseeland gab, die mir wirklich jeder empfahl, dann war es das Tongariro Crossing. Einige wollten mir das sogar als Geheimtipp verkaufen. Dass das Tongariro Crossing das inzwischen aber schon lange nicht mehr ist, das war mir (leider) mehr als bewusst. Und spätestens, nachdem ich Geschichten hörte, dass man auf dem Weg bergauf in der Schlange steht und warten muss, da stand für mich fest: egal, wie cool es sein mag, diese Wanderung wollte ich nicht machen.

Meine Entscheidung

Irgendwie war das keine einfache Entscheidung. Ich meine okay, als ich es entschied, war es super einfach. Aber als wir dann mit dem Auto durch den Tongariro National Park fuhren und ich die ersten Blicke auf den aktiven Vulkan warf, da bereute ich meine Entscheidung ein kleines bisschen.

So lange, bis ich die ganzen Autos stehen sah.

tongariro

Marc hatte eigentlich auch keine Lust auf diese „Pilgerwanderung“, wie sie von manchen ja so schön genannt wird. War aber doch irgendwie neugierig.

Ich war auch neugierig, doch was mich abschreckte, waren die hohen Transportkosten, die auf uns zukommen würden.

Denn erstens handelt es sich bei dem ca. 20km langem Tongariro Crossing um eine one-way-Strecke und zweitens herrscht aufgrund des riesigen Andrangs am Parkplatz jetzt ein Park-Maximum von vier Stunden. Eine Zeitbegrenzung, in der man das Tongariro Crossing auf keinen Fall schafft. Bei den Massen kann ich Neuseeland für diesen Versuch der Besucherregulierung allerdings keinen Vorwurf machen…

Wir hätten also einen Shuttle für 40$ pro Person buchen müssen. Dafür, dass ich es am Ende mit Sicherheit wegen der Massen total blöd finden würde, war mir das einfach zu viel.

Und so entschieden wir uns, dass Marc der glückliche und auserkorene sein würde, der von uns beiden das Tongariro Crossing bestreiten würde – und ich würde ihn shutteln. So konnte ich bei meiner Entscheidung bleiben und mir im Nachhinein von Marc erzählen lassen, wie es tatsächlich war. Und wir hätten trotzdem Fotos. 😀

tongariro

Da auch Marc nicht so auf Touristenmassen steht, und da der gute gewaltig ungeduldig ist, begann unser Tag morgens um fünf. Marc wollte nämlich so früh wie möglich los wandern. Um 5:30 kamen wir am Parkplatz an und glaubt es oder glaubt es nicht, wir waren nicht die ersten… bei weitem nicht. Wie viele Menschen mir auf meinem Rückweg in Richtung Tongariro entgegen kamen, erwähne ich lieber gar nicht erst.

tongariro crossing

Ein bisschen wehmütig war ich schon. Denn es fühlte sich so an, als sei das Tongariro Crossing für Neuseeland das, was für Rom das Kolosseum ist. Und das möchte man ja auch auf keinen Fall verpassen. Ich war einfach so hin und her gerissen. Man denkt eben trotzdem ständig darüber nach, ob man nun etwas verpasst oder nicht.

Als ich dann im Hellen losfuhr, um Marc abzuholen, da war ich mir anfangs sicher, dass ich echt was verpasst hatte. Die Natur war wirklich der Hammer. Es war ein wolkenloser Tag und man konnten den „Schicksalsberg“ perfekt sehen. Hier und da qualmten die Schwefelquellen.

Ich ärgerte mich ungefähr so lange, bis ich an dem Parkplatz vorbei kam, an dem ich Marc morgens noch abgesetzt hatte. Da dies offiziell der End-Parkplatz ist, besteht das 4-Stunden-Parklimit hier noch nicht. Und als ich dort vorbei fuhr, standen bestimmt in jede Richtung und auf jeder Straßenseite 1km lang die Autos – Jucy, Escape, Spaceship, Maui und natürlich auch Wicked, sie waren alle da. In regelmäßigen Abständen kamen mir außerdem die Shuttlebusse entgegen.

Das ganze gab mir eine etwaige Vorstellung, wie voll es da oben doch sein musste.

Als ich Marc eingesammelt hatte, bestätigte der diese Vorstellung auch.

Sein Fazit: Wirklich toll. Aber leider auch wirklich voll.

Mit anderen Worten: ich stand mit meinen Gedanken wieder am Anfang. Ja, ich hatte also irgendwie etwas verpasst aber nö, irgendwie auch nicht.

Letztendlich bin ich mit meiner Entscheidung aber zufrieden. Ich habe sie für mich so getroffen. Nur, weil etwas so extrem gehypt wird, ist kein Muss da, sich das ganze auch anzugucken.

Ich gebe zu, meist kann ich nicht „so einfach“ zu so etwas bekanntem nein sagen. Da sind mir dann auch die Massen egal. Aber hier in Neuseeland war das irgendwie anders. Fast fühlte es sich so an, als wolle man mir einreden, dass man, wenn man das Tongariro Crossing nicht gemacht hat, gar nicht richtig in Neuseeland gewesen sei.

Wir hatten vorher aber schon so viele wunderschöne Wanderungen gemacht. Das machte es leichter für mich, auf das Tongariro Crossing zu verzichten. Und deshalb glaube ich auch nicht, dass ich Neuseeland nicht richtig gesehen hätte oder so. Ja, es ist hier teilweise wirklich extrem voll. Und nein, nur weil die Sachen super berühmt sind, muss man sie nicht zwingend machen!

Sind denn die Massen beim Tongariro Crossing IMMER unterwegs?

Wer jetzt aber dennoch das Tongariro Crossing machen möchte, was ich niemandem übel nehmen kann, für den haben wir ein paar ganz kleine Tricks, wie man es zumindest ein klein bisschen leerer erleben kann.

Drei Möglichkeiten haben wir insgesamt gefunden:

Erstens könntet ihr den Tongariro Great Walk machen. Dort lauft ihr drei bis vier Tage und seid „nur“ einen halben Tag dort unterwegs, wo auch die Massen sind.

Zweitens könnt ihr das Tongariro Crossing im Winter machen. Bedeutet zwar, dass ihr zwingend einen Guide braucht (denn Schnee kann unberechenbar sein), aber eben auch, dass Nebensaison ist und dass sich nicht so viele andere Menschen dort hoch trauen.

Und drittens könnt ihr, so wie Marc, einfach so früh wie möglich und am offiziellen Ende des Tracks, am Ketetahi Car Park, starten. Dadurch erlebt ihr die Massen erst oben auf dem Gipfel, lauft dann quasi in sie hinein und habt am Ende aber auch wieder eure Ruhe, da es dann zu spät wäre, als dass noch Wanderer starten würden.

Also, egal, wie ihr euch auch entscheidet, entscheidet für euch. Ich finde, es ist kein Drama, eine der großen Attraktktionen eines Landes auszulassen, wenn man das möchte, und vor allem, wenn man schon so viele andere tolle Dinge im Land gesehen hat.

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