Reisetagebuch #020 – Scheibenschnitzeljagd

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Manchmal gehen Dinge einfach kaputt. Manchmal sind es wichtige Dinge, manchmal ist es (zum Glück) nur die Fensterscheibenelektronik unseres Autos (manchmal hat man in solchen Momenten natürlich auch noch mehr Glück und kriegt noch mehr Scheiße ab, aber das ist eine andere Geschichte). Manchmal hat man Glück und solche Dinge passieren in großen Städten mit guter Infrastruktur, manchmal, so habe ich mir sagen lassen, passiert das mitten im Fiordland, wo die nächste Stadt gerade mal läppische 80km entfernt ist. Wenn wir mal keine Glückspilze sind.

Wir hatten uns also von der Stadt Te Anau aus auf den Weg nach Milford Sound, Neuseelands wohl größte Attraktion, gemacht. Zu diesem Fiord führt nur eine einzige Straße – die man auch komplett wieder zurück nach Te Anau fahren muss, denn in Milford Sound ist Ende.

Auch wir wollten uns dieses Highlight natürlich nicht entgehen lassen, planten noch ein paar Wanderungen in der Umgebung ein (mir dämmerte zwar mit schmerzender Hüfte, schmerzendem Oberschenkel, schmerzendem Fuß und schmerzenden Waden, dass das vielleicht nicht die beste Idee wäre) und übernachteten dafür auf einem Campingplatz, der sich ca 80km von Te Anau, 20km von den Wanderungen und 40km von Milford Sound entfernt befand.

Als wir morgens dann losfuhren und ich die Scheiben des Autos zumachen wollte, ertönte dann plötzlich ein komisches, nichts Gutes verheißendes Geräusch.

„Mach die Fenster noch mal auf, da war irgendwas komisch!“, sagte Marc.

Ich tat, wie mir geheißen und erkannte schnell, woran es lag: ich hatte eine Mücke mit dem Fenster getötet! Was für eine gute Tat ich doch erfüllt hatte! Aber… machte das solche Geräusche??

In dem Moment, als die Fensterscheibe plötzlich immer weiter runter rutschte, dämmerte auch mir beschränktem Wesen, dass das Geräusch definitiv nicht von der Tötung einer Mücke gestammt hatte.

Klar, warum auch nicht, die Fensterheberelektronik war kaputt gegangen!

Also schraubten wir die Verkleidung der Tür ab und versuchten selbst nachzuschauen, konnten aber nur feststellen, dass wir ohne Werkzeug (es stellte sich heraus, dass eine Gabel kein vernünftiges Werkzeug ist) nicht weit kommen würden. Naja, und dass sowieso was kaputt war und wir eine Werkstatt brauchten.

Noch mal schnell hin und her überlegt, entschieden wir uns also dazu, mal eben den kleinen Umweg von gerade mal 160km zu fahren, um das ganze fix reparieren zu lassen.

10km vor Te Anau fiel uns dann eine kleine, aber entscheidende Tatsache auf: es war Sonntag. Und auch, wenn sonntags in Neuseeland alle Geschäfte aufhaben; Werkstätten haben es nicht…

Ach naja, dann haben wir mal eben einen kleinen Umweg gemacht!

Da der nun aber nicht ganz umsonst gewesen sein sollte, kauften wir wenigstens noch Werkzeug im Baumarkt, um es doch selbst zu versuchen und anschließend Duct Tape (was eine Erklärung, wie besagter Versuch lief, an dieser Stelle überflüssig macht…) in unserer Autofarbe (natürlich extra so ausgewählt), um die Scheibe wenigstens zu tapen.

Ja und dann fuhren wir mal eben die 80km wieder zurück.

Da das liebe Fenster sich dazu entschieden hatte, in der wohl teuersten Ecke Neuseelands kaputt zu gehen, setzten wir unseren Weg nach Cromwell fort, einem Ort, der zumindest ein wenig günstiger und vor allem auch für mehr als nur die Touristen gebaut ist. Hier wollten wir versuchen, eine Werkstatt zu finden, die uns helfen könnte.

Die Ernüchterung kam aber schnell, als wir feststellen durften, dass derzeit alle Werkstätten wegen, kein Witz, Weihnachten (!) noch so in Verzug sind und so viel zu tun haben, dass der nächste freie Termin irgendwo zwischen 1 – 3 Wochen lag. Ein kleiner Schrauber wurde uns aber emfpohlen, der uns schon eher helfen könnte. Der Witz: der leicht verschlossene und nicht sehr redselige Herr könne uns nur helfen, wenn wir das Ersatzteil selbst besorgen.

IM NIRGENDWO!

Damit hatte unsere Schnitzeljagd also begonnen. Er nannte uns die nächste Werkstatt, in der wir nachfragen konnten, diese machte uns aber ebenfalls keine Hoffnung. Verzweifelt versuchten wir es in einer Glaserei (denn es hat ja irgendwie was mit dem Fenster zu tun), die uns den heißen Tipp gab, es beim nächsten zu probieren. Dort wurden wir dann auch endlich fündig und der Mitarbeiter dort sagte zu, uns ein Teil zu bestellen. Einbauen könnte er es dann in drei Wochen…

Nunja, lange Rede, kurzer Sinn: wir haben selbst im Internet noch einen Händler gefunden, der uns das Teil schickt (yeeeey), haben eine Poststelle ausfindig gemacht, zu der wir das Teil schicken lassen können (doppel yeeey) und müssen jetzt „nur noch“ darauf warten, dass das Teil ankommt und dann hoffen, so schnell wie möglich einen Termin zu bekommen. Wenn uns das gelingt, gibt es ein dreifaches yey, bis dahin drückt uns die Daumen!

Wenn man nicht alles selbst macht…

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