Reisetagebuch #018 – Eingesperrt im Plumpsklo (wahre Geschichte, kein Clickbait!)

Veröffentlicht von

Die wohl mit Abstand größte Ironie an diesem Reisetagebuch: circa dreißig Minuten vor besagtem dreckigen Vorfall (höhö) hatte ich mich gerade noch mit Marc darüber unterhalten, wann denn ein neues Reisetagebuch online gehen würde. „Ach, irgendwie fehlt mir da noch die Anekdote zu!“, sagte ich, „bis jetzt ist ja alles gut gegangen bei uns, das wäre doch langweilig!“ Hätte ich mal lieber die Klappe gehalten.

Aber erst Mal ein kurzer Zeitsprung. Eine Woche zurück. Dahin, wo unser letztes Reisetagebuch aufgehört hatte.

Wir hatten also in Timaru mit jeder Menge Schafe und einer Dominos Pizza Silvester gefeiert. Danach startete unser Roadtrip dann so richtig. Ohne irgendein festes Datum, zu dem wir irgendwo sein mussten und ohne Stress.

Einmal in der Kurzzusammenfassung, was wir seit Silvester gemacht hatten:

Wir sind um den Lake Tekapo spaziert, haben uns an der Kirche über die zu vielen Touris aufgeregt, sind zum Sonnenaufgang noch einmal wieder gekommen, sind in den Mount Cook National Park gefahren, sind dort verdammt hoch gewandert, haben eine Schneeballschlacht gemacht, sind wieder an die Küste gefahren, sind die Küste abgefahren bis zu den Catlins hinunter.

Und dort wurde ich dann auf dem Plumpsklo eingesperrt.

Morgens war die Welt noch in Ordnung. Morgens um 4:45, als der Tag los ging. Wir waren mal wieder zum Sonnenaufgang aufgestanden, um diesen am Nugget Point zu bewundern, was sich absolut gelohnt hatte (auch, wenn ich bei 4 Grad [jaja, das nennt man hier Hochsommer] fast erfroren wäre).

Von da aus ging es dann weiter entlang der Küste und wir stoppten an wunderschönen Wasserfällen und Stränden.

Am Cathedral Cave Strand, einem super beeindruckendem Strand voller tiefer Höhlen, die nur bei Low Tide zu erkunden sind, ging ich im Anschluss an meinen Strandbesuch auf Toilette. Völlig normal. Doch als ich aus dem logischerweise nicht ganz so toll riechendem Plumpsklo wieder hinaus gehen wollte plötzlich der Schock: die Tür ging nicht mehr auf; irgendjemand hatte tatsächlich von außen zugesperret (über die Sinnhaftigkeit einer Verriegelung an einer Toilette von AUßEN lässt sich jetzt natürlich auch schon streiten). Ich rüttelte an der Tür hin und her, aber ich konnte machen, was ich wollte, sie ging einfach nicht auf. Ich konnte durch den kleinen Spalt ja sogar den Riegel sehen, der vor der Tür war.

Andere Menschen waren weit und breit nicht zu sehen (naja, eher zu hören) – über den gesamten Parkplatz aus dem Plumpsklo wollte ich ja auch nicht gerade rufen, dass ich darin eingesperrt war. Naja gut Marc würde irgendwann schon kommen. Irgendwann… dachte ich, während mir der Geruch so langsam aber sich die Tränen in die Augen trieb. Über der Toilette hing an einem recht dicken Draht ein Duftring. Ein Draht… vielleicht könnte ich es mit dem ja schaffen, durch den Spalt den Riegel nach unten zu bewegen…

Nö.

Zu dick.

Marc kommt bestimmt gleich.

Kam er nicht. Und ich kann ihm keinen Vorwurf machen. Auf Toilette kann es irgendwann ja auch mal länger dauern…

Ich könnte auch einfach auf die Toilette klettern und von dort aus versuchen über die Tür zu greifen… kurzer Test… nein, zu wackelig! „Ich war im Plumpsklo eingesperrt“ reicht mir schon als Anekdote fürs Reisetagebuch, „Ich war ins Plumpsklo gefallen“ wäre dann doch zu viel des guten für den Blog. Das war also auch keine Möglichkeit.

Marc kommt bestimmt gleich.

Kam er nicht.

Die Tür war aus Holz und eines der Bretter, das etwas hervorstand, verlief quer… hmmm… ach scheiß drauf (ja, irgendwie schon wortwörtlich) – kurzerhand stellte ich mich einfach auf diesen winzigen Vorsprung der Tür und griff über sie hinüber, um den Riegel wegzuschieben; wohlwissend, dass ich mit der Tür zusammen aufschwingen würde.

War ich anfangs noch verzweifelt, dass keine Menschenseele in der Nähe war, die mir helfen konnte, war ich es bei dem Anblick, den ich jetzt bieten musste, plötzlich so gar nicht mehr.

Etwas zerknautscht kam ich also am Auto bei Marc an, um ihn diese unglaubliche Geschichte erzählen.

Ziemlich genervt.

Aber am Ende musste ich dann doch grinsen und sagen „Aber zumindest habe ich eine Anekdote fürs Reisetagebuch!“ 😀

Denn hey, nicht jeder kann behaupten, schon mal im Plumpsklo eingeschlossen worden zu sein. Nicht, dass ich froh über die Erfahrung wäre, aber auf Reisen – achtung, nächstes Wortspiel – macht man ja so allerlei Scheiß mit. 😀

2 Kommentare

  1. Aaaaah, wer ist denn so fies und sperrt das Klo zu?!
    Ich hatte mal ein tolles Erlebnis in Dänemark:
    Wir waren mit dem Wohnmobil unterwegs und hatten einen tollen Stellplatz für die Nacht; an einem Parkplatz wo es auch eine öffentliche Toilette gab. Frühmorgens – gegen 8-9 Uhr – bin ich zur Toilette, mit dem Gedanken dort ganz allein zu sein und alles in Ruhe erledigen zu können.
    Auf einmal hält ein Reisebus und ungefähr 15 Frauen strömen in die Toilette, so dass die Kabinen neben mir besetzt werden. Auf einmal fängt die Frau neben mir echt laut zu drücken, zu stöhnen und zu furzen an, bis es „Platsch“ macht….
    Und das ging bestimmt 5-10 Minuten so! Da hätt ich echt gern drauf verzichtet 😀

    1. Hahahaha, also das ist bei dir ja echt… achtung, jetzt kommts, beschissen gelaufen! 😀 Ich finde auch, wenn man eins auf Reisen so richtig zu schätzen lernt, dann ist es seine heimische Toilette <3 klingt vielleicht für alle nicht-reisenden komisch, aber jeder, der mal länger unterwegs war, wird mir da bestimmt zustimmen 😀 Also, High-Five an meine Klo-Schwester im Geiste (ein sehr fragwürdiges Wort, ich weiß! :D) Achso und ja, auch ich frage mich immer noch, wer Spaß daran hat, andere Menschen im Klo einzusperren… -.- 😀

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.