Alles, was auf einem Langstreckenflug schief gehen kann

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Eigentlich sollte ich mich nicht beschweren, denn einen Flugzeugabsturz, das schlimmste was beim Fliegen eigentlich passieren kann, wurde mir Gott sei Dank erspart. Ansonsten habe ich aber auf meinem Langstreckenflug von Melbourne über Shanghai nach München alles miterlebt, was auf Flügen supernervig ist.

Vermutlich kann man Airchina, mit denen ich geflogen bin, vom Standard fast schon als Billig-Airline bezeichnen; keine Ahnung, wie sie es geschafft haben, Star Alliance Member zu sein. Natürlich war mir bewusst, dass ich vielleicht nicht die beste Airline gewählt hatte, aber ein Preisunterschied von 200€ zur nächstbilligen Airline war für mich Grund genug, Airchina zu buchen.

Schief ging schon die Buchung. Dreimal habe ich versucht, den Flug zu buchen, dreimal ist die Website kurz vor Abschließung der Buchung abgestürzt. Als ich dann, wie von der Airline empfohlen, bei meinem Kreditkarteninstitut nachfragte, bekam ich mitgeteilt, dass Airchina bereits zweimal den Flugpreis abgebucht hatte – ohne dass ich im Gegenzug auch nur einen Flug bekommen hätte. Gut, wollen wir uns mal nicht beschweren, vier Wochen später hatte ich das Geld ja wieder.

Etwas, was mir auch hätte klar sein sollen, mich aber dann doch mit voller Wucht getroffen hat, war die Tatsache, dass von 300 Flugpassagieren ganze zwei nicht-Asiaten dabei waren (mich eingeschlossen). Ich habe ja keine Vorurteile oder bin rassistisch, aber in so einem Fall kommt man sich dann doch komisch und gar fehl am Platz vor.

Wirklich schlimm wurde es dann aber mit meinem Bier trinkenden Sitznachbar, denn der führte mir eine der nervigsten Sachen, die einem beim Fliegen passieren kann, vor, denn, natürlich, rülpste er in einer Tour. Die Erfahrung „wie Bier-Rülpser eines Mit-50er Asiaten riechen“ hätte ich mir ja gerne erspart. Ich weiß, er wird das nicht aus böser Absicht getan haben, sondern einfach nur aus Anerkennung an das Bier, aber… bäääh. Wirklich.

Was aber noch viel schlimmer war, war wohl die Tatsache, dass ich in Shanghai am Flughafen sechs Stunden länger festsaß, als geplant – und das bereits im Flugzeug eingepfercht! Wer darauf steht, 18 Stunden in einer Sardinendose zu verbringen, bitte, für mich aber war es eines der nervigsten Sachen, die mir bis jetzt überhaupt passiert sind. Ursprünglich hätten wir um ein Uhr nachts losfliegen sollen, da das laut australischer Zeit aber bereits 4 Uhr morgens war, war ich todmüde, konnte mich kaum noch auf den Beinen halten und schlief in dem Moment ein, als mein Po den Flugzeugsitz berührte (jaa, so soll es doch sein, wenn man fliegt!). Ca 60 Minuten später wachte ich auf. Blickte aus dem Fenster. Und bemerkte dass wir uns VERDAMMTE SCHEISSE IMMER NOCH AM FLUGHAFEN BEFANDEN!!! Ein wenig verwirrt, panisch und unwissend blickte ich mich umher, sah aber nur andere schlafende Passagiere und Stewardessen, die wohl auch dachten, dass eine Verzögerung bedeute, sie müssen nicht arbeiten. Nun gut, dachte ich mir, dann schlaf ich eben auch noch ein bisschen, kann ja nicht schaden. Als ich wach wurde spielte sich das ganze Spielchen noch einmal ab – und das bis 6:30, als wir endlich anfingen, uns endlich Bewegung zu setzen und Richtung Rollfeld zu rollen (um dort noch einmal zu warten). Mit fast sechs Stunden Verspätung und 18 Stunden Reisezeit insgesamt (plötzlich machte es mir sogar Spaß, die Flugzeugtoilette zu benutzen, einfach nur, weil es eine Beschäftigung für mich war… ja, Spaß! [und ich meine damit wirklich nichts versautes]) traf ich also in München ein, und, als ob das nicht schon gereicht hätte, klar, hat das Gepäck auch noch Verspätung ($%§!$%=$“$§!$/&%§$ beschreibt meine Laune in diesem Moment wohl am besten). Fast mehr leid als ich mir selbst tat mir da eigentlich nur mein Freund, der fast sieben Stunden lang am Flughafen auf mich gewartet hatte und statt einer netten Begrüßung nicht mehr als ein schlurfendes, zerknautschtes „Gottwardasschlimm“ bekommen hat.

Damit verglichen war der miese Service dann gar nicht mehr so schlimm. Deshalb beschwere ich mich jetzt auch gar nicht darüber, dass ich nie Stewardessen gesehen habe, mir statt Coke Kaffee gereicht wurde, no als yes aufgefasst wurde und mein Bordcomputer beim ersten Flug gar nicht funktionierte und mir beim zweiten Flug die riesige Wahl zwischen zwei englischsprachigen und vier chinesischen Filmen gab, die in Dauerschleife liefen (seitdem bekomme ich Panik, sobald ich auch nur den kleinsten Ausschnitt aus dem Film „Lucy“ sehe, denn ich mindestens 10mal gesehen habe, nur weil ich denke, mich wieder an Bord des Flugzeuges zu befinden).

Aber hey, ich bin lebend angekommen, habe genug zu Essen bekommen (am meisten ging mir die Düse, als wir nicht losgeflogen sind, dass ich jetzt trotzdem nur Frühstück bekomme und im Flugzeug verhungere – Gott sei Dank haben sie nachgerüstet!!!), unglaublich wenig für einen One-way Flug von Australien nach Deutschland gezahlt, habe jede Menge lustige Geschichten zu erzählen, und würde Airchina, falls sie die billigsten sind, sofort wieder buchen.

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