Ein Traum wird wahr – wie wir in Chiang Mai Elefanten begegneten

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Als ich vor inzwischen fast vier Jahren meinen Flug nach Thailand gebucht hatte war für mich von Anfang an klar: ich möchte in der Zeit dort Elefanten begegnen – aber meine Angst, sich für den falschen Touranbieter zu entscheiden, bei dem die Tiere schlecht behandelt warden würden, war groß. Ich habe also jede Menge recherchiert und letztendlich meine „fair Trade Elefanten“ gefunden – bei der Patara Elephant Farm durfte ich in Chiang Mai Elefanten begegnen. Über drei Jahre später denke ich immer noch darüber nach, ob ich damals die richtige Entscheidung getroffen habe oder nicht.

Patara hatte tolle Bewertungen und versprach, die Elefanten gut zu behandeln. Das kann ich so auch vollkommen bestätigen (soweit man so etwas natürlich zu Gesicht bekommt). Die Elefanten wurden auf einem wirklich riesigen Grundstück gehalten, das quasi schon ein kompletter Wald war und konnten sich dort bewegen, wie sie wollten. Bei den Elefanten handelte es sich übrigens um befreite Elefanten, die zuvor für Touristen gehalten und schlecht behandelt wurden.

Im Laufe des Tages lernten wir eine Menge über Elefanten, machten uns mit „unserem“ Elefanten für den Tag vertraut, checkten, ob er gesund war, fütterten ihn, wuschen ihn und ritten ihn schließlich.

 

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Und hier sind wir an dem kritischen Punkt, der die Erinnerung an diesen wundervollen Tag im Nachhinein ein wenig schmälert. Das Reiten.

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Ich hatte einen wirklich einmaligen Tag, insgesamt sind wir zwei Mal 45 Minuten geritten und hatten ein klasse Mittagessen dazwischen.

Und trotzdem bin ich immer noch hin- und hergerissen, ob das ethisch okay war. Denn verdammt ja, es ist mir wichtiger, dass ich nachhaltig handele, als dass ich Spaß habe (ja klar, das sagen wir alle, und spätestens wenn wir den nächsten Flug buchen tun wir es schon wieder nicht mehr, aber ihr wisst, was ich meine, hoffe ich).

Als ich den Trip gebucht habe, hatte ich natürlich gedacht, dass ich alles richtig mache. Sonst hätte ich nicht gebucht. Es liegt mir wirklich am Herzen, dass Tiere in Touristengebieten vernünftig behandelt wird, weshalb das Tiger Kingdom schon mal komplett gestrichen wurde. Als ich die anderen Elefanten-Reit-Touren gesehen habe, die uns überall aufzuschwatzen versucht wurden, war ich heilfroh, dass ich keinem Elefanten in Ketten begegnet bin. Ich dachte in dem Moment wirklich, dass ich das richtige getan hatte.

Aber dann, etwa ein Jahr, nachdem ich in Thailand war, wurde die Elefanten-Debatte immer größer und es tauchten immer mehr Artikel dazu im Netz auf. Das hat mich natürlich zutiefst verunsichert. Während unseres Tags im Camp hatten wir die Mitarbeiter dort natürlich gefragt, ob es denn für die Elefanten schädlich wäre, wenn wir sie reiten würden. Sie verglichen das Ganze dann damit, dass im Vergleich zu ihrem Körpergewicht unser Körpergewicht gar nicht auffiele und es so wäre, als würden wir ein Buch tragen. Kein Problem. Das beruhigte mich natürlich.

Die Artikel machten aber auf ein ganz anderes Problem aufmerksam: einen Elefanten zu reiten ist nicht natürlich! Und damit haben sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Dieses Argument konnte und wollte ich einfach nicht mehr vergessen und ich fühlte mich so dumm, daran nicht vorher gedacht zu haben (vermutlich wurde das von meiner Vorfreude einfach überstrahlt).

Dann sah ich Bilder, wie die Elefanten zum Reiten trainiert werden. Die Bilder anzusehen war wirklich grauenhaft und ich wünschte, dass niemals jemand so etwas mit den Elefanten tut.

Und deshalb sitze ich jetzt hier an diesem Punkt, an dem ich nicht mehr weiß wohin mit meinen Gedanken und Meinungen. Ob ich es immer noch einen der schönsten Tage in meinem Leben nennen darf oder ob ich mich schuldig dafür fühlen sollte, auf einem Elefanten geritten zu sein.

Einerseits könnte ich jetzt natürlich sagen, dass die Elefanten gerettet wurden von Orten, an denen sie schlecht behandelt wurden, und die Menschen eh schon gewöhnt waren. Sie haben ein gutes Leben im Camp und werden gut behandelt und ich habe nichts falsch gemacht, oder? Oder? Ich habe keine Ahnung. Andererseits sind doch nämlich gerade solche Menschen wie ich der Grund, dass trotzdem immer weiter Elefanten dazu gezwungen werden, Menschen auf sich reiten zu lassen.

Ja, dieser Tag ist immer noch eine positive Erinnerung, aber er hat inzwischen definitiv einen bitteren Beigeschmack bekommen. Die Dinge, die mich jetzt zweifeln lassen, wusste ich schlichtweg vorher nicht und ich wünschte ich hätte es getan. Es gibt auch tolle andere Projekte, bei denen man die grauen Riesen kennen lernt ohne auf ihnen zu reiten. Diese Wahl hätte bei mir vielleicht keinen bitteren Beigeschmack zurück gelassen.

Oder wie seht ihr das? Das Thema macht mich (immernoch) hochgradig fertig. Ich weiß einfach nicht, ob es gut war, dass ich in Chiang Mai Elefanten begegnen durfte…

 

5 Kommentare

  1. Hi Marlena,

    Great to hear you love elephants as much as me! This is a thoughtful, empathetic and honest reflection on the best way to meet the animals you love. I can relate to your experience in two ways.

    Firstly, I went to Chiang Mai myself recently and visited the Elephant Nature Park there. They showed us a documentary about how the elephants are trained to accept riders, do tricks and work in the logging industry. The process is know as ‚the crush‘ and involves the elephant being tied up, caused severe pain with sharpened sticks and food, water and sleep is withheld for several days. This trauma is continued until the elephants ’spirit is broken‘, that is they are psychologically and physically damaged enough to accept commands from humans. They are then overworked, kept in poor conditions and live in constant fear of more pain.

    It sounds to me that the camp that you visited does not sound like it would put the animals through this themselves. But in the spirit of respecting what they have been through in their previous lives, I think it would be best if they were allowed to live as naturally as possible within the realms of captivity. As long as riders are on their backs is normalises humans seeing them as domestic animals and property, which they are not. In the age of social media these images can be broadcast to thousands of people who will then want to copy this, and the cycle goes on! The Nature Park I visited rescues elephants from this industry and has a ’saddle off‘ no riding rule. I bathed, fed and walked with the elephants which was a really intimate and rewarding experience.

    The second way I can relate to your experience is the profound feeling of guilt when you learn what the animals are put through, as I also rode an elephant when I was about 17, on a family trip to Bali. Since visiting the park I have almost been consumed with guilt. I have found the best way to deal with this guilt is to get involved in conversations regarding elephant welfare and encourage people to do their own research, whilst raising awareness of what really goes on.

    I hope you find is relevant and useful!

    1. Dear Laura,
      thank you so much for your comment! I guess the worst thing for me was to realize that I didn’t do everything right even though I thought I did when I went to that elephant camp. I still believe that the camp I visited is a great place for the elephants to live, except for the riding. We didn’t ride too long and not with a saddle or anything and the elephant didn’t really care if I was sitting on it or not but in the end what you said is absolutely what made me headache afterwards: it’s not naturally and never will be, no matter if they’re ‚used to it‘ or not. I really really hope that more people like you and me think about all this and finally stop the torture of these beautiful creatures. When I’ll come back to Thailand/Chiang Mai I definitely want to visit another elephant camp (I’ve heard a lot about Elephant Nature Park so that one’s definitely on my list) and then tell everyone… 🙂

      1. Yes I can understand that, but at least you had tried to make sure you made an ethical decision, and like you say, it sounds like these elephants were cared for! Definitely visit Elephant Nature Park, it’s run by Save Elephant Foundation and has a couple of different sites in Thailand. The one in Chiang Mai also looks after rescued dogs!
        Enjoy your next trip! 🙂

  2. the problem is that Kind of the same goes for elephant nature park as well. I booked it and then a couple of days before that I read a lot, like A LOT of Reviews … there are only a few which are critical. To sum up… it is also not normal for an elephant to be washed by tourists. the park is very small actually and in some Reviews you find rituals (like loud mobile phone Speakers in front of the ear of an elephant) to make them behave if they do not… I cancelled my trip right before it took place although it was the reason to come to Chiang Mai in the first place. Me, personally, I just would not do it. If you want to see wild life, go with a Mission that is wwf approved and Keep your distance from wild animals. just be okay with not touching them and not bothering them. In the end, everything else is for the Tourists and to make money. yes, it is nice to have parks which do not torture them as much as other parks – but are they free and happy when hundreds of tourists visit every day? Í highly doubt that. I’d rather donate Money to really make a difference for such animals instead of visiting them in half-ethical places.

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