Angelus Circuit im Nelson Lakes National Park – unsere neue Lieblingswanderung

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Wir sind froh, dass wir uns den Nelson Lakes National Park bis zum Ende unserer Zeit auf der Südinsel aufgehoben haben. Denn wir sind uns einig: Das Angelus Circuit, das wir da gemacht haben, und insbesondere die Robert Ridge Route, sind unsere neue Lieblingswanderung auf der Südinsel. Mit starker Tendenz zur Lieblingswanderung überhaupt, aber das wollen wir lieber erst sagen, wenn wir auch tatsächlich auf der Nordinsel waren. Warum diese Wanderung uns so gefallen hat und was es zu beachten gibt, verraten wir hier.

Das Angelus Circuit, das es so eigentlich gar nicht gibt

First things first, das „Angelus Circuit“ in dem Sinne ist keine Wanderung, die genauso existiert. Viel mehr könnt ihr euch euer Circuit einfach selbst zusammen stellen. Was aber auf jeden Fall bei allen Circuits gleich bleibt: es geht über den Lake Angelus und die dortige Angelus Hut. Hoch zu dieser Hütte und auch wieder zurück führen aber gleich mehrere Wege, aus denen ihr euer Angelus Circuit zusammen stellen könnt. Die beliebteste Route dürfte wohl die Robert Ridge Route sein, die auch wir gemacht haben.

angelus hut

Die Robert Ridge Route

In der Nähe des Lake Rotoiti, am Mout Robert Car Park, beginnt die Robert Ridge Route. Oder irgendwie auch nicht, denn offiziell beginnt dieser Weg zur Angelus Hut erst als „Pinchgut Track“.

Hier schlängelt sich im Zick Zack ein breiter Weg den Berg hoch auf den Mount Robert mit atemberaubenden Blicken auf den Lake Rotoiti.

angelus circuit
Oben angekommen hat man sich eine Pause dann redlich verdient.

Seid ihr auf dem Mount Robert dann angekommen, beginnt die eigentliche Robert Ridge Route. Diese ist vom DOC (Department of Conservation) als Route und nicht als Track gekennzeichnet. Bedeutet, dass es teilweise keinen Weg, sondern nur orange Poles als Wegweiser gibt und ihr euren Weg über teils unebene Flächen, selbst finden müsst.

angelus circuit

Dem können wir so auch zustimmen. Teilweise ist die Robert Ridge Route eine sehr herausfordernde Wanderung, bei der ihr direkt über den Gipfel eines Berges, ja über den Kamm, klettert. Das ist wirklich der Wahnsinn – aber für Leute mit Höhenangst eine wahre Herausforderung. Zwar ist meine Höhenangst seit Beginn der Reise immer besser geworden, aber ganz oben wurde mir plötzlich auch ein wenig schwarz vor Augen. Teilweise ist hier wirklich klettern angesagt; über hohe und teilweise große Felsbrocken. Neben dir der Abgrund.

angelus circuit

Die Route ist herausfordernd. Aber die Mühen absolut wert! Wenn ihr den Aufstieg auf den Mount Robert erst mal geschafft habt, dann ist die Robert Ridge Route  größtenteils flach. Klar, ein paar Auf- und Abstiege gibt es immer, aber es wird nicht mehr so schweißtreibend, wie zu Beginn.

Die Blicke, die ihr auf der Robert Ridge Route haben werdet, sind absolut einmalig. Zum Ende unserer drei Monate auf der Südinsel können wir voller Überzeugung sagen: das war die mit Abstand geilste Wanderung, die wir hier gemacht haben! Jedes Mal, wenn man an eine Spitze kommt, dann bekommt man Blicke über eine Bergkette geboten, von der man denkt, sie könne nicht mehr getoppt werden. Nach der nächsten Ecke wird sie dann doch wieder getoppt. Immer und immer wieder. Schroffe Berge, unten grün bewachsen und zwischendrin mal türkise Seen. Einfach hammer.

angelus circuit

Dieser Track (oh sorry, Route!) dauerte circa sechs Stunden und war wirklich jeden einzelnen Schweißtropfen wert!

Welche Tracks führen noch hoch (und wieder runter)?

Ich erwähnte ja bereits, es gibt mehrere Tracks, die zur Angelus Hut führen, aus denen ihr euch dann zwei für euer Angelus Circuit aussuchen könnt. Neben der bekannten Robert Ridge Route gibt es noch den Speargrass Track und Cascade Creek Track, der dann als Lakeside Track weiter geht.

Cascade Creek Track

Wir haben uns dafür entschieden, über den Cascade Creek Track zurück zu laufen. Dieser Track geht gleich zu Beginn der Wanderung ziemlich steil über ein Geröllfeld bergab, direkt vorbei an riesigen, tosenden Wasserfällen, und führt euch bis ins Tal hinein zwischen die großen Berge. Von dort aus lauft ihr dann neben dem Cascade Creek  entlang, passiert ihn hin und wieder einmal (bei stärkerem Regen kann es hier also zu Rivercrossings kommen), bis ihr am Travers River ankommt, an dem ihr bis zum Lake Rotoiti entlang spaziert. Am See angekommen gelangt ihr dann zur Coldwater Hut.  Laut DOC dauert der Abstieg etwa fünf Stunden, wir haben es etwas schneller geschafft (vier einhalb Stunden mit Pausen).

Wir würden euch allerdings raten, diesen Track nur für den Abstieg und nicht den Aufstieg auszuwählen. Der Abstieg über den Cascade Creek Track war schon hart und wir wollten uns nicht vorstellen, wie hier erst der Aufstieg aussehen muss!

Lakeside Track

An der Coldwater Hut könnt ihr entweder dort noch eine Nacht in der Hütte verbringen (Reservierung nicht möglich, first come, first serve, Kosten: 5$) und am nächsten Tag zurück zu eurem Auto laufen, oder direkt weiter laufen. Die Coldwater Hut hat zwar eine mega tolle Location, direkt am See, mitten im Wald mit kleinem Bootsanleger, aber wir waren ganz froh, dort nicht übernachtet zu haben. Die Hütte war leider doch schon ein wenig in die Jahre gekommen und wir hatten inzwischen schon tollere gesehen.

Von der Coldwater Hut geht es direkt am Lake Rotoiti über den Lakeside Track entlang für weitere zwei einhalb Stunden wieder zurück zum Carpark. Es ist also auch absolut machbar, an einem Tag über Cascade Creek zurück zum Parkplatz zu laufen. Wir haben es auch so gemacht.

Zwar sind die Ausblicke, die man hier hat, in keinster Weise mit denen auf der Robert Ridge Route zu vergleichen, aber das sollte man auch gar nicht. Stellt euch hier lieber auf einen tollen Walk durch den Wald ein, entlang plätschernder Bäche und beeindruckender Bäume.

Kleiner Tipp: Parkt euer Auto nicht oben auf dem Mount Robert Carpark. Ein Stückchen weiter unten, direkt gegenüber vom Ende des Lakeside Tracks, dort, wo sich auch das grüne DOC-Schild dazu befindet, gibt es eine kleine Ausbuchtung mit mehreren Parkplätzen. Wir haben dort direkt geparkt, um so bereits am ersten Tag das Stück vom Ende des Lakeside Tracks bis hin zum Start der Robert Ridge Route zu laufen. Das sind ca. 2km bergauf, für die wir eine halbe Stunde gebraucht haben. Wir waren froh, das am ersten Tag gleich gemacht zu haben, als wir noch frisch waren und nicht erst am Tag unserer Wiederankunft, bei der wir eh schon müde gewesen wären.

Speargrass Track

Da wir diesen Track nicht gemacht haben, kann ich hier leider keinen Erfahrungsbericht zu geben.

Was sollte ich sonst noch wissen?

Die Hütte

Die Angelus Hut befindet sich auf 1650m Höhe und muss in der Hauptsaison (Oktober bis April) vorher gebucht werden! Das könnt ihr entweder online oder direkt bei einer ISite/dem Visitor Centre machen. Die Übernachtung in der Hütte kostet 20$. Bei der Angelus Hut handelt es sich um eine Standard Hut, es gibt vor Ort also einen Kamin, Plumpsklos, eine Küche (ohne Gasherde) und Trinkwasser.

Wir haben die Wanderung Mitte Februar gemacht und hätten spontan noch einen Platz in der Hütte bekommen können. Ein paar Tage im Voraus, wenn es nicht gerade Wochenende ist, waren auf der Hütte immer Plätze vorhanden. Da wir wetterbedingt aber unbedingt Sonntag wandern wollten, haben wir uns für den Campingplatz entschieden.

angelus hut

Der Campingplatz

Etwa 200m entfernt von der Hütte, direkt am See, gibt es noch einen Campingplatz, auf dem bis zu fünf Zelte Platz finden. Eine Nacht kostet hier 10$ pP und die Facilities der Hütte dürfen mitbenutzt werden. Eine gute Alternative zur Hütte, wenn diese voll ist. Wir finden aber, insbesondere aufgrund der Temperaturen: wenn möglich, sollte man doch die Hütte buchen.

Temperaturen

Wir waren mehr als überrascht, doch selbst im Sommer sank die Temperatur oben auf der Angelus Hut auf knapp unter null Grad!! Da sind unsere Schlafsäcke ganz schön an ihre Grenzen gekommen! Und abgesehen davon hat das das Aufstehen morgens nicht gerade einfacher gemacht für uns. Wenn die Hütte nicht frei ist, würden wir zwar trotzdem jedem empfehlen, es auch mit Zelt zu machen, aber wer Kälte nicht ganz so sehr mag, der sollte ruhig die Hütte in Betracht ziehen.

Wie lange sollte ich gehen?

Wir hatten das Angelus Circuit ursprünglich mit drei Tagen geplant (Robert Ridge Route – Coldwater Creek Track – Lakeside Track). Da aber am dritten Tag ein Zyklon im Anmarsch war, verkürzten wir den Trip auf zwei Tage und legten Coldwater Creek und Lakeside zusammen. Das hat auch super geklappt! Das Angelus Circuit ist also, je nach Vorliebe und verfügbarer Zeit, sowohl in zwei, als auch in drei Tagen machbar.

Parken

Am Beginn des Pinchgut Trails befindet sich der Mount Robert Car Park. Hier gibt es genügend Parkplätze. Wir hatten uns aber dazu entschieden, etwas weiter unten, gegenüber vom Ende des Lakeside Tracks zu parken. Dort gibt es in einer kleinen Ausbuchtung etwa sechs Parkplätze nebeneinander. Dadurch, dass wir hier geparkt hatten, hatten wir uns die letzten zwei Kilometer vom Lakeside Track hinauf zum Mount Robert Car Park erspart, worüber wir sehr froh waren.

Wertsachen

Da wir, wenn wir mehrere Tage unterwegs sind mit unseren Wertsachen immer ein mulmiges Gefühl haben, und insbesondere, da das DOC sogar vor Autodiebstählen auf genau unserem Parkplatz gewarnt hatte, brachten wir unsere Laptops für die Zeit unserer Wanderung ins Visitor Centre in St. Arnaud. Das liegt gerade mal sechs Kilometer vom Parkplatz für die Wanderung entfernt und hat von 8:00 – 16:30 täglich geöffnet. Für gerade mal 1$ pro Tag kann man hier seine Wertgegenstände in einem kleinen Raum, zu dem nur DOC-Mitarbeiter einen Schlüssel haben, verstauen. So mussten wir uns unterwegs keine Gedanken um unsere Laptops machen!

Sandflies

Wir wurden vorher gewarnt, dass die Sandflies im Nelson Lakes National Park besonders schlimm seien. Und was sollen wir sagen? Oben auf der Angelus Hut haben wir ganze… NULL Sandflies getroffen! Dort oben wurden wir echt schön verschont. Sobald wir aber wieder zurück waren und am Lake Rotoiti war es kaum auszuhalten. Gerade an der Coldwater Hut summte es nur so. Wer sich also in der Nähe des Sees aufhält: unbedingt auf die Viecher vorbereiten!

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Oben angekommen. Direkt neben dem Gipfelkreuz.

 

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