Reisetagebuch #013 – vom Hitchhiken auf dem Müllauto

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Kennt ihr das, wenn ihr in haargenau dem Moment, in dem ihr gerade etwas tut, merkt, dass das die wohl schlechteste Idee ist, die ihr seit langem hattet, aber jetzt auch nicht mehr zurück könnt und das ganze stattdessen einfach mit zusammengekniffenen Pobacken durchzieht? Genau so einen Moment hatten wir gestern – als wir beim Hitchhiken beim Aufspringen merkten, dass wir gerade in ein Müllauto gehüpft waren.

Und jetzt noch mal kurz ein paar Minuten zurück (*brrrrrrrrp*, kurzes Imitieren der Zurückspultaste), um die ganze Geschichte zu erklären: wir hatten uns für den Tag zusammen mit drei anderen Backpackern vorgenommen, die Insel Rarotonga per Cross-Island-Track zu überqueren. Der Startpunkt der Wanderung, der Wigmore Waterfall, lag etwa drei Kilometer von uns entfernt. Zugegeben, Marc und ich hatten ja eigentlich geplant, die paar Kilometer auch schnell zu laufen, aber der Rest unserer Gruppe fand das doch ein bisschen zu weit und schnell war der Entschluss gefasst, dass wir das ganze eben hitchhiken würden – in zwei Gruppen versteht sich, denn fünf Personen kann ja niemand mitnehmen. So trennten wir uns also auf und während die anderen drei unserer Gruppe schon nach ein paar Minuten an uns vorbei fuhren (tapfer waren Marc und ich nämlich vorgegangen, was ja bedeutete, dass die anderen zuerst eine Mitfahrgelegenheit bekommen würden), stampften wir einfach weiter und streckten immer wieder den Finger raus, aber so wirklich war das Glück nicht auf unserer Seite – bis endlich dieser rote Pickup hielt und sagte, wir können ruhig aufspringen. Gesagt, getan.

Doch schon beim Aufspringen merkte ich, dass meine Hand in etwas glitschiges gefasst hatte… als ich dann oben auf der Ladefläche des Pickup angekommen war und einen Platz für die etwa zehn minütige Fahrt suchte, brauchte ich auch gar nicht mehr nachzugucken, wo ich denn da reingefasst hatte – ich befand mich nämlich inmitten von Lebensmittelabfällen.

Aber da war es dann auch schon zu spät, jetzt konnte ich ja nicht mehr abspringen. Marc bemerkte die Misere auch erst ein paar Minuten später – den Glückspilz hatte es nämlich noch besser getroffen, der bekam nämlich in einer Tour das wehende Fett aus der nicht komplett geschlossenen Mülltonne ab, das feucht-fröhlich dabei war, seine geliebte (Achtung, Branding) Fjell-Raven Hose in einen Dalmatiner-Pelz zu verwandeln.

Ich versuchte ja noch, das ganze positiv zu sehen, genoss es, wie mir der salzige Fahrtwind (und das Fett) um die Ohren wehte und wie ich direkt auf die wehenden Palmen schauen konnte. Marc fiel das Ganze ein wenig schwerer.

Als wir dann endlich am Startpunkt unserer Wanderung angekommen waren, stürzten Marc und ich natürlich erstmal in den Bach, um uns ein wenig zu waschen. Aber wenig überraschend half nur kaltes Wasser natürlich reichlich wenig gegen das ganze Fett und meine Hände rochen noch mehrere Stunden wie eine kalte, ungeputzte Fritteuse.

Aber das Ganze war nach kurzer Zeit schon vergessen, denn der Cross-Island-Treck war der wohl schönste und ausgefallenste Wandertreck, den wir jemals gemacht hatten. Manchmal war überhaupt kein Weg mehr zu sehen, es ging über dicke Wurzeln, große Felsbrocken und über plätschernde Bäche hinauf in den Dschungel, von wo aus wir über den Regenwald bis zum Meer blicken konnten. Da hatte sich wirklich jeder Schweißtropfen gelohnt.

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Insbesondere, da es am nächsten Tag in Strömen zu regnen anfing, waren wir einmal mehr froh, den Treck schon gemacht zu haben, denn das Wasser weicht die Wanderwege dort so sehr auf, dass es quasi unmöglich ist, den Track zu laufen.

Es war schwer, mitten im Paradies zu sitzen, aber nicht rausgehen und erkunden zu können. Gewöhnlich lasse ich mich ja nicht vom Wetter abhalten, aber hier auf den Cookinseln regnete es so sehr (und das durchgehend den ganzen Tag über), dass es unmöglich war, irgendetwas draußen zu machen. Teilweise konnten wir nicht mal zum 150m entfernten Supermarkt flitzen – stattdessen saßen wir mit knurrenden Mägen da und hofften auf ein kurzes Regenloch. :D

Aber auf irgendeine komische Art und Weise war selbst der Regen hier wunderschön, melodisch rauschend, in keinster Weise kalt und ja auch so wichtig für die grüne Insel und damit die Insel genauso grün bleibt. Also nahmen wir es einfach hin und machten ein bisschen ruhiger.

Was sich auch gelohnt hatte, denn am nächsten Morgen begann die Sonne hier und da mal durch die Wolken zu blinzeln, was wir natürlich sofort ausnutzten, indem wir unsere Schnorchel und Taucherbrillen packten und schnorcheln gingen.

Und was soll ich sagen? Ich habe mich zum Schluss zwar selbst durch den Schnorchel zittern hören (wie zum Geier habe ich das denn eigentlich geschafft? :D), aber es war jeden einzelnen Prick der Gänsehaut wert – Südsee pur!

Marc ist nachmittags noch tauchen gegangen und kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus – ja, wir lieben die Cookinseln DURCH UND DURCH!

Den letzten Tag verbrachten wir entspannt in der Muri Lagune und kletterten auf Palmen (also zwei Meter, dann haben wir Schisser uns nicht mehr weiter getraut), bevor es nachts zum Flughafen ging, um nach Neuseeland zu fliegen.

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Zum ersten Mal gingen wir mit einem wirklich blutendem Herzen – obwohl wir ja so überhaupt nicht die Strandurlauber sind, hätten wir auf den Cookinseln problemlos noch Wochen bleiben können!

Aber stattdessen ging es auf zu neuen Abenteuern. Dabei wurden wir ein wenig durch die Zeit geschleudert, denn den 18.11.2017 haben Marc und ich praktisch nicht existiert – sehr praktisch für Marc, der einen Tag später Geburtstag hatte und so seine Wartezeit verkürzen konnte. :)

Inzwischen hocken wir in Neuseeland, die Eindrücke aus diesem Land werden wir bald mit euch teilen.

Stay adventurous!

Marlena

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