Reisetagebuch #011 – Ein Katzenleben weniger

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Am ersten Tag unseres zweiten Roadtrips, der eigentlich nur ein ganz kurzer war, fuhren wir von San Francisco nach King City. Eigentlich wollten wir ja gerne den Highway No. 1 befahren, aber dieser ist durch etliche Erdrutsche nur bis Lucia zu befahren. Gott sei Dank gibt es von Lucia aus eine Straße, die ins Landesinnere führt (sie ist übrigens die einzige).

Das Wetter spielte an dem Tag nicht ganz so mit, wie wir es uns gewünscht hatten. Der Himmel war grau und wolkenbehangen, die Sonne kam nur selten durch und der Tag war trüb. Wir machten einige Stopps. Unser Highlight und weswegen wir überhaupt an der Küste entlang fuhren war der Pfeiffer State Park. Leider war in dem Park so ziemlich alles gesperrt was wanderbar ist (Erdrutsche sei Dank), aber wir machten das Beste draus und legten uns kurzerhand auf den Boden und starrten an den riesigen Bäumen entlang in den Himmel. Wir kicherten wie Verrückte – wir müssen ein komisches Bild abgegeben haben.

Danach fuhren wir die Straße, die von Lucia nach King City führte – die Naciemento-Fergusson Straße. Diese zählt zu einer der schönsten und schwierigsten Straßen (man soll sie unbedingt im Tageslicht befahren). Ich persönlich fand die Straße gar nicht soooo schlimm. Gut, ich bin auch nie schneller als 30kmh gefahren. Wenn ich überhaupt so schnell geworden bin. Der Beginn führt über etliche Kurven das Gebirge hinauf. Irgendwann fuhren wir in die Wolkendecke hinein, da wurde es etwas kniffliger und an einigen Stellen ist die Straße so eng, dass wirklich nur ein Auto sie passieren kann. Uns kam sogar ein riesiger Wohnwagen entgegen – was der sich dabei gedacht hat, keine Ahnung!

Als wir irgendwann die kurvige Straße hinter uns ließen hatten wir direkt eine Militärblockade vor uns. Angeblich machten sie dort Straßenarbeiten. Nach fünf Minuten und einem mega fail meinerseits (ich bin im Standgas weitergefahren, weil ich das Auto nicht anbekommen habe – zu meiner Verteidigung ich bin zum ersten Mal Automatik gefahren UND ein Auto das ohne Schlüssel angeht xD) ging es dann weiter. Natürlich verfuhren wir uns erst einmal und fuhren durch ein Militärgebiet. Irgendwann fanden wir aber den Weg nach King City und in unser Motel.

Wir waren im siebten Motel-Himmel. Große Betten, eigene Dusche – was möchte man mehr? Wir aßen im Diner zu Abend und hatten danach Bauchschmerzen. Gingen alle Duschen und ließen uns danach vom amerikanischen TV berieseln.

Erholt ging es am nächsten Tag nach einem reichhaltigen Diner-Frühstück weiter nach Joshua Tree. Wir hielten an einem Outlet-Store, da Marlena dringend neue Schuhe brauchte. Für mich sprangen auch ein paar neue Schuhe raus, da sie so günstig waren, dass Frau einfach nicht nein sagen konnte. Anschließend kleideten wir Marc im Levis-Store neu ein und waren begeistert wie gut der Mann in Jeans aussieht 😉

Weiter ging es auf der Fahrt nach 29 Palms. Und auch zu dem Grund warum das Reisetagebuch heißt wie es heißt. Denn wir verloren alle ein Katzenleben an diesem Tag. Also wenn wir Katzen wären, dann wäre es jetzt definitiv eines weniger. Aber wir hatten einen sehr großen Schutzengel. Wir fuhren auf einem Freeway, so etwas wie eine Landstraße bei uns. Ich hielt mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 55mph, die meisten anderen Autofahrer jedoch nicht. Viele überholten mich und machten teilweise sehr waghalsige Überholmanöver. So wie der nächste Autofahrer. Er wollte einen LKW überholen. Ich bremste bereits etwas ab, da es sehr eng wirkte. Jedoch bremste er selber nicht ab um wieder hinter dem LKW einzuscheren. Stattdessen hielt er auf uns zu.

Panik stieg in mir auf, denn hinter mir fuhr ein LKW mit geringem Abstand zu uns. Vollbremsung wäre also fatal. Ich wurde dennoch langsamer und hoffte, dass der Autofahrer verschwinden würde. Marc checkte nun endlich auch die brenzlige Situation und sagte nur etwas, dass ich auf der Straße bleiben soll. Im letzten Moment riss der mir entgegenkommende Autofahrer das Lenkrad um und raste auf den sandigen Untergrund neben der Straße. Er geriet stark ins Schlingern aber irgendwie kamen wir an ihm vorbei.

Erst später wurde uns allen bewusst wie schlimm die Situation hätte ausgehen können. Es erinnerte mich daran, dass meine Mama immer sagt, dass es meist die anderen sind und nicht man selbst, wenn etwas passiert. Ich brauche wohl nicht erwähnen, dass ich danach noch langsamer fuhr und jedes Mal Panik bekam wenn ein Auto ein anderen überholte, oder mich überholte?

Wir waren alle heilfroh als wir endlich in 29 Palms in unserem Motel ankamen. Der liebe Besitzer hatte uns sogar ein Upgrade gegeben. Wir haben drei riesige Betten, die so wahnsinnig weich sind, dass wir am liebsten nicht wieder aufstehen wollten.

Im Joshua Tree waren wir dann wirklich richtig amerikanisch, wobei das auch so ziemlich an dem Nationalpark lag. Der war nämlich so gut ausgebaut, dass man überall mit dem Auto hinkam. Und irgendwie gab es auch keine richtigen Wanderungen. Zumindest keine die uns so wirklich ansprach. Vielleicht fanden wir es deswegen auch nicht ganz so cool dort. Wobei die Wüste mit den Kakteen und Joshua Trees schon wirklich cool war. Wir haben sogar einen Wüstenfuchs gesehen! Der dann ganz provokativ auf die Straße kackte! :D

An unserem letzten Tag in den USA ging es dann mit dem Mietwagen zurück nach Los Angeles. Wir fuhren auf teilweise achtspurigen Highways (man war das krass), kamen in einen dicken Stau nach dem anderen und schließlich kamen wir am Griffith Observatory an. Dort blickten wir über L.A. Ok, eher so weit das Auge durch den Smog gucken konnte. Wir hatten ja schon einige Städte im Smog gesehen, aber das war nochmal etwas ganz anderes. Danach wanderten wir zum Mt. Hollywood hinauf und dann ging es schon in Richtung Flughafen.

Am Auto angekommen stellte ich fest, dass ich eine SMS bekommen hatte. Mein Flug nach Olso hatte 4,5 Stunden Verspätung. Das war natürlich mehr als ärgerlich. Bei McDonalds aßen wir dann unser letztes Mal „amerikanisch“ und bestellten, einfach nur weil es so verrückt klang, 50 Chicken McNuggets für 9,99$. Ich kann das noch immer nicht glauben. Natürlich waren wir total überfressen danach und rollten zum Flughafen. Schließlich mussten wir uns von unserem geliebten Chevrolet trennen und dann ging es in den Terminal. Der Flughafen in LA war leider nicht mit WLAN ausgestattet, was für mich die Warterei sehr lang gemacht hat.

Marlena und Marc verabschiedeten sich nach ein paar Stunden zu ihrem Weiterflug auf die Cook Inseln. Ich konnte erst ein wenig später einchecken. Dort erhielt ich dann einen Essensgutschein und aß dann nochmal ein letztes Mal einen Burger (dort gab es Umami :D). Mein Flug ging dann anstelle von 21 Uhr erst um 01:20 Nachts. Dass ich dann natürlich total übermüdet und fertig war, brauche ich nicht zu erwähnen oder? Der Flug war insgesamt sowieso ziemlich anstrengend. Gegen halb neun Abends landete ich dann endlich in Oslo.

Es dauerte ewig bis ich aus dem Flieger hinaus kam. An der Grenzkontrolle war ich dann noch nie überschwänglichen und freundlichen (ob aufgesetzt oder nicht – mir egal) Amerikaner gewöhnt und begrüßte die Beamtin mit einem sehr überschwänglichen „Heeeey“. Zurück kam nur ein knappes „Hi“. Sie guckte meinen Pass an (auch das war ich mittlerweile so gewöhnt) und gab ihn mit einem „Bye“ zurück.

Am Gepäckband traf ich dann auf Tabea und freute mich riesig sie nach fünf Wochen wiederzusehen. Als mein Rucksack dann endlich da war, zog ich schnell meine Winterstiefel an und holte meinen Winterjacke hervor. Es konnte losgehen! Oslo empfing mich mit guten 20 Grad weniger als in Kalifornien. Die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt und es war soooo wunderschön!

Wir suchten zwar ewig nach unserer Bushaltestelle und nachdem ich jemanden ansprach mussten wir nochmal zurücklaufen um ein Ticket zu kaufen, aber im Airbnb angekommen war ich einfach nur glücklich. Wir hatten eine kleine umgebaute Gartenhütte nur für uns alleine. Es war ein kleiner Traum! Oslo erinnerte mich wieder daran wie sehr ich Skandinavien doch liebe; wie gut die Luft dort ist und wie schön einfach, klein und gemütlich es dort ist.

Das größte Geschenk machte mir Oslo dann an unserem zweiten Tag. Es hatte geschneit! Dort wo ich wohne bekommen wir nur sehr sehr sehr selten Schnee und wenn dann ist er meist so schnell weg, dass man ihn gar nicht wahrgenommen hat. Ich liebe jede Jahreszeit und so richtigen Winter – das ist einfach toll. So konnte ich endlich mal wieder durch richtigen Schnee spazieren (auch wenn das für Skandinavier sicher nicht viel Schnee war, für mich schon) und einen Schneemann bauen.

Seit gestern bin ich dann wieder in Deutschland. Es fühlt sich gut und unwirklich zu gleich an. Ich habe so vieles erlebt in den letzten Wochen, so vieles wieder gelernt – über mich und über andere. Vieles welches ich auf zukünftige Reisen anwenden werde.

Und mit diesen Worten verabschiede ich mich, denn die zukünftigen Reisetagebücher werden wieder von Marlena übernommen – die gerade wo auch immer steckt, da ich seit unserem Abflugtag nichts mehr von ihr gehört habe. Aber ich bin mir sicher, dass es ihr gut geht!

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