Reisetagebuch #010 – Das Horror-Hostel

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Wie bereits im letzten Eintrag erwähnt, fuhren wir mit dem Nachtbus nach San Francisco. Lasst uns nur eines sagen – Busfahren in den USA ist weit von dem entfernt, wie wir es in Deutschland kennen. Wir dachten ja, wenn wir einmal Greyhound fahren haben wir die volle amerikanische Experience gemacht, aber da hatten wir wohl falsch gedacht.

In den vielen Stunden, die wir auf den Bus warteten, sahen wir kaum Backpacker – die sind sowieso eine Rarität und als es dann in den Bus ging, stellten wir fest, dass Busfahren wohl eher die Unterschicht in Amerika tut. Wir sind ja einiges gewöhnt, aber die Geruchsexplosion, die uns in den nächsten Stunden erwartete, war wirklich mehr als unappetitlich. Die Toiletten an einem Halt übertrafen dann schließlich alles. Öffentliche Toiletten ohne jegliche Türen – und vollkommen Blutverschmiert. Also Durchhalten bis San Francisco.

Dort angekommen waren wir glücklich. Wir schienen endlich den „Slums“ entkommen zu sein. Vollen Mutes liefen wir zu unserem Hostel. Die Gegend wurde leider wieder schlechter. Im Hostel angekommen, schlug uns mal wieder der allgegenwärtige Drogengeruch entgegen. Wir mussten noch bis zwei Uhr warten bis wir auf unser Zimmer durften. Also stellten wir unsere Rucksäcke ab und machten uns auf Nahrungssuche. Gab ja schließlich schon lange nichts mehr. Wir landeten in einem Diner und aßen uns glücklich.

Zurück im Hostel war das Glück leider nur von kurzer Dauer. Unsere Zimmer waren ein kleiner Graus. Angeblich wurden sie gesäubert: ich hatte noch Taschentücher in meinem Bett liegen. Und kein Kopfkissen. Nach dreimaligen Nachfragen bekam ich endlich eines.

Um den Tag wenigstens noch etwas zu genießen entschlossen wir uns noch ein wenig durch San Francisco zu spazieren und landeten bei den Painted Ladies. Wir genossen die Abendsonne und genossen das beste City-WiFi, welches wir jemals entdeckt haben. Mal wieder beobachteten wir Hunde (ja, wir lieben das mittlerweile).

Später vergnügten wir uns dann noch im Starbucks und taten so als wären wir richtig wichtige Blogger oder Business-Menschen.

Die Nacht wurde dafür wirklich der Horror. Zuvor stellte ich fest, dass meine Ladekabel verschwunden waren. Natürlich war das nicht gerade die schönste Sache, wenn man feststellt, dass man beklaut wird. Vor allem wenn fünf Minuten später eine vom Zimmer einen genau davor warnt. Schon komisch. Naja, wir legten uns schlafen. Schließlich waren wir noch gerädert von der Nachtfahrt. Irgendwann mitten in der Nacht wurde ich dann geweckt. Von der, die über mir geschlafen hat.

Sie machte mich an warum ich ihren Koffer verstellt hätte. Vollkommen schlaftrunken erklärte ich ihr, dass ich ihren Koffer nicht angefasst hatte. Sie wollte mir natürlich nicht glauben und meckerte weiter. Schließlich verlangte sie ich sollte unsere Sachen wegstellen, denn ich hätte kein Recht die dort stehen zu haben. Ihre Erklärung: da ich unten schlafe, müssen meine Sachen auch unter das Bett. Ich wurde richtig angepisst und sagte, dass ich jetzt schlafe falls sie es noch nicht gemerkt hätte. Damit gab sie sich nicht wirklich zufrieden und wollte wissen wann wir gehen. Ich warf ihr noch einen angepissten Blick zu und sie sagte, dass ich das morgen früh wegstellen sollte – sie würde nicht durch den Raum zu ihren Sachen laufen. Darf ich bitte mit den Augen rollen? Seit wann gibt es Regeln wo ich meine Sachen in einem Raum abstelle? Naja, egal. Danach rumorte sie immer noch herum wie eine Irre. Das Licht war natürlich auch noch an.

Sie beschwerte sich, dass unser Stecker zu groß war und sie ihr Handy nicht laden konnte. Ich war kurz vor dem explodieren. Mit genervten Nachdruck sagte ich sie solle es einfach rausmachen und das Licht ausmachen, ich würde versuchen zu schlafen. Ihre Antwort? Honey, I’m still not ready for bed. WAS HAST DU DENN IN DER LETZTEN HALBEN STUNDE GEMACHT?!

Nicht anzumerken, dass genau diese Person morgens um halb fünf ihren Wecker laut klingeln hatte und sich genauso laut wieder fertiggemacht hat. Die zweite Nacht folgte übrigens dasselbe Spiel.

Am nächsten Tag beschlossen wir also alle unsere Wertsachen mitzunehmen (nachdem wir die Nacht mit ihnen gekuschelt hatten), und wie durch Zauberhand tauchten meine Kabel wieder auf. Ich weiß bis heute nicht was da wirklich los war. Ob ich sie einfach nicht gefunden habe, wobei ich meinen Rucksack mehrere Male ausgepackt habe, oder ob sie wieder jemand zurückgesteckt hat. Egal, Hauptsache sie sind wieder da.

Wir machten uns also als kleine Packesel auf zur Lombard Street, die irgendwie nicht ganz so cool war, wie wir es gedacht hatten. Danach liefen wir hinunter zur Fisherman’s Wharf. Schnell war uns klar, dass dort etwas in Gange war. Wir wurden freundlich gebeten weiterzugehen und dann sahen wir das Schild mit „Filming notice“. Aha, ein Dreh? Dann bleiben wir doch mal stehen und gucken uns das genauer an. Also holten wir uns ein Ben & Jerry’s Eis und beobachten die ganze Szene etwas. Leider passierte nicht viel. So hieß es: Seehunde gucken! Wir beobachten die Seehunde am Pier 39 und schossen viel zu viele Bilder von ihnen.

Unser Rückweg führte uns wieder am Filmset vorbei. Dieses Mal fanden wir aber etwas mehr heraus. Erstens, dass es eine Marvel Produktion war. Und eine Deutsche teilte uns glücklich mit, dass sie den Namen des Filmes wüsste. Nachdem sie diesen nannte war mir klar, dass das sicher nicht der richtige Name des Filmes sein kann. Also hieß es WiFi finden. Schnell googelte ich den Namen und Marvel. Zack, wusste ich, dass wir am Filmset des neusten Marvelfilms gestanden haben (The Antman and The Wasp) und sogar zwei Darsteller gesehen haben (Evangeline Lilly und Michael Pena).

Ich glaube das war wirklich eines von Marcs Highlights, aber es ist auch schon sau cool mal an so einem Drehort zu stehen und zu beobachten wie sie drehen. Gut es waren meistens nur Komparsen, die über die Straße rannten, aber egal! :D Ich weiß schon welchen Marvel-Film wir uns alle ansehen werden nächstes Jahr!

Zum Schluss führte uns der Weg noch zur Golden Gate Bridge. Mir war die Überquerung nicht ganz so geheuer (ich habe es hier nicht mit Höhen und so), deshalb wartete ich auf M&M. Fast drei Stunden. Meine Geduld war etwas strapaziert als die beiden wiederkamen. Irgendwie fanden wir einen Bus mit dem wir wieder zurückkamen. Uns hing allen der Magen in den Kniekehlen. Hatten wir uns doch nur von ein paar Pfannkuchen den gesamten Tag über ernährt.

Und dann waren wir im Himmel. Wir landeten in einem vegetarischen / veganen Restaurant und aßen so unglaublich lecker und gut. Ach und GESUND! :D Wir fühlten uns richtig wohl und mussten leider wieder zurück in unser Horror-Hostel.

Jetzt sitze ich gerade in unserem Mietwagen – Chevrolet und wir fahren den Highway No. 1 bis Lucia runter.

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