Reisetagebuch #006 – Wenn Träume wahr werden

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Was bisher geschah: (kurzer Einschub von Marlena)

Nichts.

Also gut, nicht „nichts“.

Aber zumindest nicht wirklich erwähnenswertes.

Marc und ich haben unsere letzten Tage in Belize verbracht, sind dann wieder zurück nach Mexiko und haben noch ein wenig entspannt in Bacalar und auf den Inseln Holbox und Mujeres.

Und dann ging es weiter nach Kanada! Dicke Sachen an und nichts konnte uns aufhalten!

Gut, Marc wirklich nicht, mich hielt dann die Immigration in Amerika auf, denn ich hatte das X auf meinem Beleg!

Was das X bedeutet? Von welchem Beleg ich hier spreche?

Inzwischen finden die Passkontrollen in den USA an dafür vorgesehenen Automaten statt, nur war bei mir irgendetwas schief gelaufen, was immer mal wieder vorkommt, weshalb auf meinen Beleg, der aus der Maschine kommt, ein großes X gemalt war.

Was das bedeutet?

Dass ich nicht etwa durch den locker-flockigen Schalter damit gehen durfte, sondern eine Stunde lang zwischen all den Mittel- und Südamerikanern stand und ganz genau unter die Lupe genommen wurde.

Witzig, dass das genau bei dem Flug passierte, auf dem ich Schiss hatte, unseren Anschluss, der knapp zwei Stunden später ging, nicht rechtzeitig zu kriegen.

Und witzig, dass natürlich mein Handgepäck auch noch einmal durchgefilzt werden musste, als ich wieder durch die Sicherheitskontrollen gegangen bin.

Aber lange Rede, kurzer Sinn, zehn Minuten, bevor das Gate öffnete (und eine ganze Stunde nach Marc) war ich dann auch endlich am Gate angekommen und die Amerikaner wissen jetzt wohl alles über mich.

Aber es hat sich gelohnt, denn an diesem Tag sollte ich ja endlich Janna wiedersehen (die jetzt übernimmt :D)!

—-

Träume: Jeder, da bin ich mir sehr sicher, von uns hat sie. Manch einer träumt vom eigenen Haus, eigenem Auto, andere davon die Welt zu erkunden. Träume sind so unterschiedlich wie wir, wie du und ich. Ganz individuell.

Und deswegen weiß wahrscheinlich jeder wie es sich anfühlt, wenn ein solcher Traum wahr wird.

Ich weiß es noch nicht. Warum? Weil ich gerade hier sitze, um ehrlich zu sein, auf der Arbeit und darüber nachdenke wie es sich wohl anfühlen wird, wenn ich endlich in Amerika bin.

Viele fragen sich warum das für mich so ein großer Traum ist. Ehrlich? Ich kann es auch gar nicht mehr genau sagen. Ich weiß nur, dass ich seit ich 12 bin unbedingt nach Amerika möchte. Am größten ist die Sehnsucht nach Kalifornien.

Ich verbinde viel mit diesen Orten, gerade über verschiedene Serien. San Francisco beispielsweise wegen Charmed. Ja, ich weiß. Aber ich glaube jeder Serien-Freak kennt das, oder? Seit ein paar Jahren steht auch deswegen Chicago ganz hoch auf meiner Sehnsuchts-Liste.

Aber Amerika ist für mich auch so interessant, weil ich immer wieder das Gefühl habe, dass die Menschen dort doch so ganz anders leben und denken wie wir es hier in Deutschland tun. Und ich würde das gerne mal sehen und erfahren, und dann vergleichen wie sehr wir den „westlichen“ Lebensstil denn angeblich hier in Europa übernommen haben.

Es gibt vieles, was mich an Amerika fasziniert, auch die Landschaft, die so viele verschiedene Aspekte bietet. Es ist eben ein Kontinent. Und ich finde es immer noch unbeschreiblich cool, dass man hier eigentlich fast alles finden kann – von Stränden und Bergen über Wüsten und Gletschern. Genial, oder?

Und dann, in etwas mehr als zwei Monaten, da kann ich dann diesen Post fertig schreiben, und sagen wie es sich anfühlt wenn ein Lebenstraum wahr wird.

Vier Wochen vor Abflug: mittlerweile bin ich doch schon ganz schön aufgeregt wenn ich daran denke, dass es nicht mehr allzu lange hin ist. Bei dem Gedanken einen Langstreckenflug, meinen aller-aller-allerersten, alleine bestreiten zu müssen, da bekomme ich doch etwas Muffensausen: ich bin nämlich kein Fan vom Fliegen. Ich hab jedes Mal richtig Schiss vor Turbulenzen. Aber okay, auch das werde ich schaffen.

Heute habe ich meinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben, ich werde ab Oktober Teilzeit arbeiten, damit ich krankenversichert bin. Deswegen schiebe ich jetzt gerade so viele Stunden wie noch nie zuvor (ich muss ja vorarbeiten), damit ich auf meine Stunden komme. Im Winter ist die Jugendherberge meist nicht so ausgebucht wie sie es jetzt ist. Aber ich bin froh, dass ich diese Angelegenheit bis zum Referendariat endlich geregelt habe.

Drei Wochen vor Abflug habe ich endlich erfahren, das ich meine Masterarbeit bestanden habe. Zwar steht die endgültige Note noch nicht fest, da der Zweitprüfer noch nicht so weit ist; aber da habe ich keine Bedenken mehr. Ich fühle mich richtig komisch. Erleichtert, überglücklich und traurig zu gleich: jetzt ist das Studentenleben nämlich wirklich vorbei.

Ein unwirkliches Gefühl, wenn ich ehrlich bin. Sechs Jahre war das Studium praktisch mein Lebensinhalt. Und jetzt ist das alles vorbei? Irgendwie fühlt es sich richtig gut an. Auch wenn jeder gerne behauptet, dass die Studentenzeit total toll ist, sie war auch sehr anstrengend und oft von Ungewissheit geprägt. Wie oft habe ich auf Noten gewartet? Habe mir Gedanken darüber gemacht, ob ich das alles schaffe? Viel zu oft gab es Probleme. Sei es, dass ein Formular abhanden gekommen war, oder das ich plötzlich Module nachstudieren musste, nur weil ich innerhalb eines Bundeslandes die Uni nach meinem Bachelorabschluss gewechselt hatte. Oder wenn plötzlich behauptet wird man habe die Module zum nachstudieren noch gar nicht  nachgeholt. Ja, das Studium hat mir einige graue Haare beschert.

Und trotz allem war es auch eine tolle Zeit. Besonders die drei Jahre in Braunschweig waren klasse. Dort hatte ich auf einmal so viele Freiheiten: eine eigene Wohnung unteranderem. Danach ändert sich viel. Ich zog wieder Zuhause ein, lebte ein wenig im Ausland als Aupair, blieb Zuhause und wechselte die Uni. Ich lernte neue Menschen kennen, fand einen guten Nebenjob. Dem allen jetzt Tschüss zu sagen fällt mir auf der einen Seite leicht, auf der anderen Seite bin ich schon etwas wehmütig. Beginnt doch jetzt der richtige Ernst des Lebens.

Deswegen habe ich mir auch vorher eine Auszeit verdient, oder? Vor allem eine in der ich mir einen meiner größten Träume erfüllen werde!

So ca. 2,5 Wochen vor Abflug habe ich meinen vorerst letzten Dienstplan erhalten. Die letzten Wochen muss ich noch einmal richtig ranklotzen. Darauf freue ich mich nicht wirklich, aber vielleicht gehen so ja die letzten Wochen schneller um? Vor der Abreise habe ich nur vier Tage frei; wenig Zeit zum packen, aber das schaffe ich schon.

Genau 2 Wochen vor Abflug habe ich auch endlich meine zweite Note bezüglich meiner Masterarbeit erhalten. Es fühlt sich vollkommen irre an jetzt wirklich fertig zu sein. Auch wenn das Zeugnis nicht mehr rechtzeitig fertig werden wird, dafür gibt es ja zum Glück eine andere Lösung. ICH BIN WIRKLICH FERTIG! ALSO GANZ OFFIZIELL MASTER OF DESASTER HERE I COME! :D

Kurz vor Abflug wusste ich nicht einmal, ob ich zum Flughafen kommen würde. Der Sturm Xavier hatte ordentliche Schäden bei der Bahn angerichtet. Schließlich wurde aber doch einen Tag vorher die Strecke wieder freigegeben und ich konnte problemlos (naja, ne Stunde Verspätung war trotzdem dabei) zum Frankfurt Airport fahren. Dort angekommen wurde ich schnell meinen Rucksack los und konnte auch zügig durch die Security zum Gate.

Nun wurde ich doch etwas aufgeregt: mein erster Langstreckenflug! Ich hatte, meines Erachtens nach, einen nicht so tollen Platz (in der Mitte – in der Mitte), aber es stellte sich gar nicht so schlimm heraus. Zwar saß ich eingepfercht zwischen zwei Kerlen, aber irgendwie war es sogar ganz ok so. Wir hoben ab und ich guckte ganz entspannt meine vorher runtergeladenen Folgen von Gilmore Girls. Es gab ein leckeres Mittag- und Abendessen. Rundum, der Flug mit Condor war wirklich toll und angenehm.

Bei der Ankunft in Toronto wurde ich dann erschlagen: an der Grenzkontrolle gab es riesige Schlangen. Und viel Verwirrung. Wo stelle ich mich nun an? Erst einmal in die Reihe um das Receipt zu erhalten. Danach in die nächste Schlange. Irgendwann stand ich dann vor dem Grenzbeamten (fast eine Stunde später). Dieser nuschelte und sprach leise. Fragte mich warum ich in Kanada wäre. Zum Reisen war natürlich meine Antwort. Er wollte genau wissen was ich vorhatte und fragte dann noch nach meinem Job (den ich zur Zeit ja gar nicht so genau definieren kann). Dann gab es einen Stempel und weiter ging es. Meinen Stempel bin ich dann sogar wieder losgeworden und mein Pass hat jetzt immer noch keinen :(

Nachdem ich dann endlich meinen Rucksack vom Gepäckband geholt hatte, ging es nach draußen. Dort warteten Marlena und Marc schon auf mich und die Freude war natürlich mehr als nur groß. Riesig um es genauer zu sagen.

Tja, und dann wartete die nächste Hürde auf uns. Ab zum Airbnb. Erst einmal Geld wechseln, dann zu den Bussen. Dort war ein Kanadier sehr hilfsbereit – der Busfahrer nicht, denn er konnte kein Rückgeld rausgeben. Also wieder in den Flughafen und etwas kaufen um Kleingeld zu bekommen. In den nächsten Bus gestiegen und dort starteten wir unsere kleine Weltreise zur Airbnb. Die Fahrt dauerte gut über eine Stunde. Unser Host begrüßte uns mehr als freundlich und zeigte uns unser wirklich mega cooles Zimmer.

Erschöpft aber glücklich lagen wir dann in unseren bequemen Betten und freuten uns auf das was noch kommen würde!

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