Reisetagebuch #003 – Wie ich fast nicht nach Belize einreisen durfte

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Und wisst ihr, was das beste an der ganzen Sache ist? Schuld daran war eine Amerikanerin, der ich helfen wollte, und die mich dafür auch noch angepampt hat.

Aber der Reihe nach.

Mit einem weinenden Auge verließen wir Mexiko, freuten uns aber gleichzeitig wahnsinnig auf Belize.

Um zu sparen fuhren wir mit den mexikanischen Bussen bis nach Chetumal, die Stadt, die an der Grenze zu Belize gelegen war, und wollten uns von dort aus mit den „Chicken Busses“ nach Belize machen.

Wenn man die denn mal finden würde.

Laut Internet sollten die an einem Markt abfahren, der knapp 3km vom eigentlichen, mexikanischen Busbahnhof entfernt liegt. Kein Ding, da sind wir dann einfach mal bei 30 Grad im Schatten mit unseren Backpacks hingelaufen. Vor Ort durften wir dann, nach einigem Rumgefrage und jeder Menge Zeichensprache, da ich Dödel ja auf Spanisch nur Tapas bestellen kann, feststellen, dass die Busse inzwischen gar nicht mehr von hier abfahren, sondern vom alten ADO-Terminal neben der Polizeistation, an der wir witzigerweise schon vorbei gelaufen sind.

Also wieder zurück.

Dort angekommen dann die große Erleichterung: ich sah die belizianischen Busse; die alten, amerikanischen Schulbusse.

Jetzt aber das nächste Problem: Wir hatten ja noch keinerlei Belize-Dollar. Wie gut, dass am Kiosk an der Bushaltestelle stand, dass sie wechseln.

„No, no, no Belize Dollar, no change!“

Ok, wohl doch nicht.

Aufmerksame Beobachter (also ich) hatten aber am dem Platz, an dem wir zuvor standen, eine Wechselstube gefunden. Da es noch eine Stunde dauerte, bis der Bus Richtung Belize City losfahren sollte, machte ich mich also im Eilschritt noch mal zurück (denn ich laufe ja gerne), um dort unsere Pesos in Belize Dollar zu tauschen.

„No Pesos, no pesos, no change pesos!“

Sinnvoll, in Mexiko keine Pesos anzunehmen.

Gut, musste dann also irgendwie anders gehen. Wagemutig haben wir uns einfach mal trotzdem in den Bus nach Belize gesetzt.

Kurz nachdem der losfuhr ging dann der „Geldeintreiber“ (in jedem Bus fährt neben dem Busfahrer noch jemand mit, der dafür zuständig ist, das Geld für die Fahrt einzusammeln. Da besagter Mann auf dieser Fahrt aber ein Muskelshirt, Cappy und Goldkette trug, fand ich die Bezeichnung „Geldeintreiber“ ganz passend) durch den Bus und mir stand langsam der Schweiß auf der Stirn.

„Ääääh, do you also accept Pesos?“

„Yes, sure.“

Okay,  also umsonst Sorgen gemacht.

Nachdem sich diese Aufregung dann aber gelegt hatte, und wir unsere Bustickets in Pesos bezahlt hatten, der nächste Schock.

Der liebe Geldeintreiber eröffnete uns nämlich, dass wir 500 Peso Ausreisegebühr pP zahlen müssten. Ich wollte noch kurz meinen Mund öffnen und protestieren, hatte ich doch im Internet immer wieder gelesen, dass man eben keine Ausreisegebühr zahlen müsse, sondern so nur den Touristen das Geld aus der Tasche gezogen wird und bei irgendwelchen korrupten Grenzbeamten landet, aber da erstens die beiden anderen Backpacker, die mit uns im Bus saßen, keine Anstalten machten, sich dagegen zu wehren, und zweitens uns auch der „Geldeintreiber“ deutlich zu verstehen gab, dass es da dran nix zu ändern gab, fügte ich mich einfach meinem Schicksal.

Jetzt gabs aber wirklich ein Problem: Damit hatten wir ja nicht gerechnet, wir hatten also definitiv keine 1000 Pesos mehr übrig, nur noch ziemlich genau 500. Durfte also wohl nur einer aus Mexiko ausreisen.

„Is there an ATM?“

„No.“

Ok, jetzt war es dann wohl an der Zeit wirklich Panik zu kriegen.

Wir kamen also am mexikanischen Ausreisepunkt an, die beiden anderen Backpacker schmissen ihre US-Dollar auf den Tisch, wir kramten unsere 500 Pesos zusammen. 20€ hatten wir noch im Portemonnaie von unserer Abreise in Deutschland. Ich rechnete zwar selbst nicht mehr damit, aber in meiner übermäßigen Verzweiflung fragte ich die böse dreinblickende Grenzbeamte: „Do you also take Euros?“ mit einem leichten, verzweifelten Lachen in der Stimme. „Yes, 25€.“

Erleichterung Nummer Eins: Sie nahmen Euro.

Wie die Erleichterung wieder verflog: Wir hatten nur noch 20.

Bis Marc plötzlich durch seinen Rucksack räumte und triumphal die Münzen hochhielt, die er vor der Abreise, um mit den ganzen Währungen nicht allzu sehr durcheinander zu kommen, in seinen Rucksack geschmissen hatte.

Wir hatten es tatsächlich geschafft.

Wir hatten 25€ zusammen bekommen.

Wir durften ausreisen.

Erleichtert verließen wir den Ausreiseposten, wohl wissend, dass da noch einmal etwas mindestens genauso schlimmes vor uns lag: Die Einreise nach Belize. Wer die Geschichte von unserer Grenzüberschreitung nach Singapur kennt, der wird wissen, dass wir bei Überlandreisen so ziemlich alles verkacken, was nur geht (an dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, wie sehr wir es doch lieben, dass wir in Europa dank Schengen das alles nicht nötig haben!!!). Okay, so schlimm war Belize dann zwar nicht, aber reibungslos war es nun auch nicht.

Los ging es mit dem Ausfüllen der Arrival Card.

Eine der Fragen war das Nummernschild unseres Busses, wenn wir per Bus einreisen. Als einer der Grenzbeamten merkte, wie ich mich umschaute, beantwortete der sofort meine Frage und sagte, ich brauche nur „Bus“ reinschreiben und kein Nummernschild. Supi, damit war die Arrival Card fertig ausgefüllt!

Dann ging es zum Schalter. Ich habe ja immer wieder im Internet gelesen, wie super locker und super freundlich die Belizeaner doch sind. Nun, nach ein bisschen umher reisen hier teile ich diesen Eindruck vollkommen, dieser Grenzbeamte passte nun leider wirklich nicht ins Bild – der sah eher aus, als wäre er zu spät mit dem falschen Fuß aufgestanden und hätte es deshalb nicht mehr geschafft, noch einen Fry Jack vor der Arbeit zu essen. Wie dem auch sei.

Ich gab meine Sachen ab und ließ in seine Sachen machen.

Dann sah ich am Ende an der Ecke des Grenzschalters eine Amerikanerin mittleren Alters stehen, die ihren Mann gerade rausscheuchte, um nach dem Nummernschild ihres Busses zu sehen.

Nett rief ich zu ihr rüber, dass es reicht, wenn sie „Bus“ einträgt, hatte mir ein Grenzbeamter doch nur vor kurzem diese Frage erst eantworte.

„WHAT? WHAT’S A BUF????????“

In dem Moment bereute ich es dann schon, dass ich ihr helfen wollte, ging aber einen Schritt von dem Grenzbeamten, der gerade meinen Pass untersuchte, davon, dichter zur Amerikanerin, um das ganze noch mal zu wiederholen.

„I DON’T KNOW WHAT A BUF IS SPELL IT!!!!!!!“

Also buchstabierte ich es.

„B-WU-S WHAT’S THAT STUPID THING????“

Also buchstabierte ich es, leicht genervt, noch einmal.

Und was sagte diese Bitch dann? Sie würde nicht per Bus einreisen. Klar. Deshalb stand sie ja auch am Buscheckpoint.

Viel Zeit, um mich aufzuregen hatte ich allerdings nicht, denn plötzlich zerrte Marc an mir und sagte „Komm mal schnell zurück, du kriegst gerade Ärger.“

Oh man, und ich bekam so richtig Ärger von dem Grenzbeamten, der einen Pass untersuchte.

Der hatte das wohl gar nicht so witzig gefunden, dass ich der Amerikanerin helfen wollte und untersuchte mich jetzt ganz genau.

Ich musste meinen genauen Plan erzählen, wo wir in Belize hinwollten und musste ihm die Adresse unserer Unterkunft in Caye Caulker nennen, die ich gar nicht kannte (hab dann irgendwas gesagt :D). Lange guckte er mich noch böse an, dann bekam ich endlich den ersehnten Stempel in den Pass.

Ich hatte es geschafft! Trotz der Amerikanerin!

Danach vergingen die weiteren sechs Stunden Busfahrt durch Belize wie im Flug (naja, das ist jetzt sehr übertrieben), wir störten uns überhaupt nicht daran, dass der Bus vollends überfüllt war (auch das ist sehr geschmeichelt formuliert) und wir waren überhaupt nicht fertig, als wir in Belize City, und später dann in Caye Caulker ankamen.

Zugegeben, ein bisschen Angst hatte ich ja schon, dass uns Caye Caulker nicht gefallen würde und wir uns total ärgern würden, dass wir dafür so einen Höllentrip auf uns genommen hatten.

Aber was soll ich sagen?

Als ich die ersten Blicke auf die Insel erhaschte, die gesäumt von Palmen war, wir aus dem Boot ausstiegen und über das türkisblaue Wasser blickten und als wir abends anschließend Hummer unter Palmen aßen und uns dazu mit Pina Colada betrunken (peinlich, dass wir das nach drei kleinen Plastikbechern schon waren, oder? :D), da war der ganze Tag vergessen und wir genossen einfach nur jeden Augenblick auf dieser traumhaften Karibikinsel.

Ja, es hatte sich gelohnt.

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2 Kommentare

  1. Hi Marlena,
    das klingt so fürchterlich abenteuerlich! Und diesen Stress braucht wirklich kein Mensch. Aber dein Bericht zeigt wieder: Irgendwie geht es ja doch und am Ende wird man mit Hummer und Cocktails belohnt.

    Sehr schön und amüsant geschrieben und wirkt – zumindest auf mich – eher ermunternd als abschreckend.

    Viel Spaß auf der weiteren Reise und ich freue mich schon auf weitere Berichte von dir.

    Liebe Grüße
    Magdalena

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