Chichen Itza und die Tagundnachtgleiche – ja passiert da denn jetzt noch was?

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Zugegebenerweise weiß ich ja oft schon vorher, was wann wo stattfindet und dass ich da hinmöchte. So zum Beispiel zum das Laternenfest in Thailand, das ich miterleben durfte oder das Holi in Indien, das immer noch ganz, ganz weit oben auf meiner Liste steht.

Aber von der Tagundnachtgleiche in Chichen Itza erfuhr ich zufällig.

Es war einer dieser tristen, regnerischen Wintertage, ein Sonntag. Wir zappten durchs Fernsehen und blieben bei dem Wetter natürlich bei dem Reisenachmittag von 3Sat hängen und freuten uns noch mehr, als wir hörten, dass es nach Mexiko ging, hatten wir doch erst vor kurzem unseren Flug dorthin gebucht.

Und dann hats mich so richtig vom Hocker gehauen.

Plötzlich erzählte 3Sat nämlich, dass jeweils am 21. März und am 22. September eines Jahres Tagundnachtgleiche bei der Pyramide wäre und irgendwas cooles da passieren sollte. Zugegebenerweise hatte ich gerade an meinem Handy rumgedaddelt und nur noch die Daten aufgeschnappt und zumindest so viel mitbekommen, dass es etwas besonders war.

„Ich fass es nicht, wir fliegen am 17. September, das heißt wir sind zur Tagundnachtgleiche da!“

Gut, ich wusste zwar noch nicht so recht, was genau dann da passiert, aber ich wusste, wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon in Mexiko war, dann wollte ich das auch sehen!

Also recherchierte ich fix.

Oh ja, stimmt, am 22. September um 15:01 ist Tagundnachtgleich in Chichen Itza. Cool.

Dann noch schnell ein Youtube-Video geguckt und ich war völlig verzückt, weil auf diesem Video „irgendwie der Schatten so über die Treppenstufen der Pyramide lief, dass es wie Wasser aussah“.

Die Sache ist gebongt!

Über ein halbes Jahr später.

Es ist der 22. September, wir machen uns aufgeregt auf dem Weg zu Chichen Itza. Als „Base“ hatten wir uns Valladolid ausgesucht, eine traumhafte Kolonialstadt, die etwa 50km von den Pyramiden entfernt liegt. Von dort ging es morgens um sieben mit dem Collectivo nach Chichen Itza. Die fahren regelmäßig nur zwei Häuser weiter vom Ado Busbahnhof entfernt und kosten 35 Pesos pro Person.

Warum fahren die beiden Irren jetzt also bitte um sieben Uhr schon los, wenn die Tagundnachtgleiche doch erst um 15 Uhr ist? Ganz einfach: Wir wollten die ersten in Chichen Itza sein und die Pyramide für tolle Fotos ganz für uns allein haben.

Ist uns auch geglückt. War der absolute Hammer!

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Wir hatten uns am Morgen noch Sandwiches geschmiert und diese dann vor Ort zum Frühstück verspeist, unsere Erkundung von Chichen Itza fortgesetzt und kurz vor zwölf beendet.

Dann hieß es warten.

Gibt ja schlimmeres! Der Ausblick war fantastisch und Chichen Itza wurde irgenwie zu unserem „Wohnzimmer“, wir haben das Monument auf jeden Fall komplett aufgenommen – denn es ist wirklich beeindruckend!

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Ja aber was passiert denn nun eigentlich zur Tagundnachtgleiche?

Jetzt kommen wir langsam zum interessanten Teil: ich hatte ja nur kurz recherchiert und dann keine Sekunde mehr damit vergeudet, noch einmal danach zu schauen. Und dann standen wir ein klein wenig planlos vor Ort, so wie auch der Großteil aller anderen Besucher irgendwie.

Und das besorgniserregendste: Da es um Schatten geht kann man diesen natürlich nur dann sehen, wenn auch die Wolken nicht vor der Sonne sind. Was in der Regenzeit gar kein so einfaches Unterfangen ist, wie sich herausstellte. Wir bangten also ziemlich darum, ob wir es nun sehen würden oder nicht, denn fünf Minuten vor drei zog es noch mal ordentlich zu. Drei Minuten vor drei verschwanden die Wolken dann und ich war kurz vorm Durchdrehen.

Dann war es zwei Minuten nach drei. Und irgendwie war nichts passiert?

Jetzt also nicht nur die Frage, was passiert, sondern auch wann es passiert.

So richtig wusste das irgendwie keiner. Wir hatten uns auf die Uhrzeit im Internet verlassen, einen Guide, den wir gefragt hatten, hatte 16 Uhr gesagt und andere sagten zwischen 16 und 17 Uhr.

Also ging das Spielchen noch mal von vorne los. Wir beobachteten kritisch die Wolken, warteten und bangten darum, ob man etwas sehen würde oder nicht.

Um 16 Uhr dann war ein riesiges Loch in den Wolken und die Sonne strahlte perfekt durch. Man, war ich happy.

Aber so richtig passiert war immer noch nichts.

Halb fünf dann kamen die Wolken wieder. Unerbitterlich. Ohne auch nur ein einziges Loch, durch das die Sonne noch mal durchscheinen konnten. Das wars dann also endgültig.

Aber hatten wir das besondere Schattenspiel der Tagundnachtgleiche tatsächlich verpasst?

Nein, nicht komplett! Ein bisschen konnten wir davon sehen. Denn ich hatte auf etwas völlig falsches gewartet, wie mich Marc später aufklärte.

Also jetzt einmal zusammengefasst für alle, die gerade genauso verwirrt sind, wie ich es gestern war:

Das wichtigste vorneweg: Da läuft überhaupt gar nix über die Treppen – kein Schatten, kein Wasser, nix. :D

(Bei meiner Recherche eben durfte ich feststellen, dass ich zu diesem Trugschluss gekommen bin, weil jemand einen Zeitraffer bei Youtube hochgeladen hatte, auf welchem das ganze dann wirklich so aussieht – dass das in Wirklichkeit aber fünf Stunden dauert habe ich natürlich nicht beachtet. :D)

Was die Tagundnachtgleiche aber so besoners macht in Chichen Itza ist der Schatten, der dadurch durch die großen Stufen der Pyramide auf die Seite der kleinen Stufen, an deren Anfang die zwei Schlangenköpfe thronen, so einen welligen Schatten wirft, dass dieser in Vollendung aussieht wie der Körper der Schlange.

So.

Und das passiert nicht etwa zu einer bestimmten Uhrzeit, sondern ist ein stundenlanger Prozess.

Wir haben es in etwa bis zur Hälfte des Ausbaus des Schlangenkörpers gesehen, dann kamen die Wolken.

So sah also das ganze bei uns aus:

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Und wer sehen möchte, wie das ganze komplett aussieht, dem empfehle ich dieses Video, denn da gibt es gleich noch eine tolle Erklärung (lasst euch nur nicht, so wie ich, von dem Zeitraffer verwirren! :D)

Und, hat es sich gelohnt?

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Auch, wenn wir es nicht komplett gesehen haben, es 70 Pesos mehr Eintritt als üblich gekostet hat und wir ganze neun Stunden in Chichen Itza verbracht haben (erklärt uns ruhig für verrückt, denn ich glaube der Durchschnitt verbring nur in etwa so zwei Stunden) hat es sich megamäßig gelohnt!

Die Vorstellung, dass das alles beabsichtigt war und irgendwelche intelligenten Menschen vor mehreren hundert oder gar tausend Jahren alles so berechnet haben, damit wir die Auswirkungen noch heute sehen, ist einfach unbeschreiblich. Und dafür hat es sich gelohnt – auch, wenn wir nicht alles gesehen haben!

In dem Sinne, Chichen Itza, du bist mein neues Lieblings-Wohnzimmer!

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