Reisetagebuch #001 – der pleitenreiche Beginn unserer Weltreise

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Um eins vorweg zu nehmen: ich liebe Mexiko. Nur heißt das leider nicht, dass der Start unserer Weltreise hier in Mexiko so verlaufen wäre, wie ich es gedacht hätte. Und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch von dem ganzen komplett schief gelaufenen Kram berichten würde, der mich zwischendurch zu einem ziemlichen Invaliden gemacht hat (aber Mexiko, ich verzeihe dir trotzdem!)

Also erst mal der Reihe nach.

In Cancun war noch alles super. Obwohl ich, um den Jetlag zu vermeiden, im Flugzeug nicht geschlafen hatte und bei unserer Ankunft in Cancun Downtown seit inzwischen fast 24 Stunden auf den Beinen war, habe ich das alles bravurös gemeistert und gleich sogar noch mal eben die Bustickets nach Tulum für den nächsten Tag organisiert. Zufrieden ging ich ins Bett, zufrieden stand ich den nächsten Tag auf und ich kaum auch noch zufrieden in Tulum an.

Das ganze flaute dann ein bisschen ab, als wir vor unserem gebuchten Hostel standen und feststellten, dass das inzwischen zugemacht hatte, ohne uns zu informieren (Hostelworld hat sich übrigens immer noch nicht gemeldet, damit ich mein Geld zurück kriege). Aber das war noch das kleinere Übel, denn wir haben schnell eine super Alternative gefunden.

Aber irgendwie hingen wir an dem Tag doch ein kleines bisschen durch.

Und die Hitze machte uns echt wahnsinnig zu schaffen – wir schwitzten an Stellen, von denen wir nicht mal wussten, dass man dort schwitzen kann (die Schienbeine? Ernsthaft?!).

Irgendwas wollten wir an diesem Tag aber endlich sehen, also wollten wir uns unbedingt auf den Weg zum Strand machen. Gut, der ist zwar über 5km vom Zentrum entfernt und ausnahmslos jeder rät, sich ein Fahrrad zu mieten, um dort hinzukommen, aber wir tönten noch „Wir sind nicht Low Budget – wir sind NO Budget“ und gingen los – ich in Flipflops!

Der Weg wurde länger und länger, wir müder und müder und plötzlich waren wir am Strand angekommen – der aber ausnahmslos von Hotels zugebaut war! Wir waren sichtlich verwirrt, bis uns irgendwann einleuchtete: wir waren am Kreisel falsch abgebogen! Insgesamt war ich also in Flipflops sieben Kilometer gelaufen ohne auch nur ein Erfolgserlebnus dabei zu haben – und wir hatten noch den gesamten Rückweg vor uns!

Ich bin ja recht abgehärtet was Flipflops angeht, aber 14km waren dann selbst für mich ein wenig zu weit – am linken Fuß hatte ich mir zwischen den Zehen alles aufgescheuert.

Und als ob es nicht schon schlimm genug gewesen wäre, dass ich den nächsten Tag keine Flipflops tragen konnte, hat sich das ganze dann auch noch entzündet und ich konnte meinen Fuß am Abend plötzlich kaum mehr bewegen.

Es hatte also gerade mal vier Tage gedauert, bis unsere Reiseapotheke zum Einsatz kam (Gott sei Dank hatten wir die vernünftig ausgestattet).

Ach, und hatte ich erwähnt, dass ich mit einem entzündeten Mundraum losgeflogen war? Ich konnte tagelang kaum Essen und wenn, dann nur unter Schmerzen – selbst  Trinken hatte weh getan – und es wollte einfach nicht weg gehen.

Irgenwie dachte ich, es würde besser werden an Tag drei, bis ich an der Gran Cenote unseren Rucksack aufheben wollte und dabei volle Kanne meinen Kopf an dem spitzen Ast stoß, der sich direkt über unserem Rucksack befand… das war das zweite Mal in meinem Leben, dass ich Angst hatte, eine Gehirnerschütterung zu haben (das andere Mal war beim Judo, als ein Wurf schief gelaufen war, ich diesen mit dem Kopf abgebremst hatte und ohnmächtig geworden war).

Und dann auch noch diese Hitze. So toll unser Hostel auch war, unser Zimmer war direkt unter einem Flachdach und der Ventilator konnte machen, was er wollte, es wurde einfach nicht erträglicher in diesem Zimmer.

So kam es, dass ich völlig aufgelöst auf dem Boden des Hostels lag, da der zumindest zwei Grad kälter war, als das Bett (und trotzdem war der Fliesenboden warm), bis sich auch hier eine zu große Pfütze voller Schweiß um mich herum bildete und ich einfach nicht wusste, was nun.

Egal was, alles tat weh, alles war ungemütlich, wir hatten nichts gesehen und es war nicht im geringsten so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Der erste Tag einer Reise ist immer toll, aufregend und unbeschreiblich.

An diesem ersten Tag dieser so großen Reise allerdings lief alles einfach nur schief, egal was wir taten.

Inzwischen ist Tag fünf, ich sitze hier und habe keine Gehirnerschütterung (merke die Beule nur noch beim Kämmen), habe mich größtenteils an die Hitze gewöhnt, habe die Entzündung dank der Jodsalbe super wieder weg bekommen und Essen kann ich auch wieder vernünftig.

Und ich habe der Weltreise verziehen, dass sie mich so hart und ruppig begrüßt hat.

Was wäre das Leben denn auch ohne Widerstände?

Ich kenne es ja sowieso nicht anders. :D

Viel wichtiger finde ich es, dass man gar nicht erst an diese perfekte, rosarote Vorstellung der Weltreise denkt. Nicht, dass ich mich beschweren möchte, auf gar keinen Fall! Aber jedem sollte bewusst sein, dass es auch so ist und das hinnehmen.

Inzwischen sitzen wir übrigens in Valladolid, nachdem wir (trotzdem noch) jede Menge in Tulum erlebt haben – vom Schnorcheln mit Schildkröten über Ruinen mitten im Dschungel oder am Meer, Cenoten und Traumstränden, die wir zum Sonnenaufgang völlig für uns hatten – das war Entschädigung genug für diese ruppige Begrüßung!

Also auf noch viele weitere Abenteuer, gute und schlechte Tage auf dieser Reise!

2 Kommentare

  1. Sehr guter Beitrag! Gerade die Geschichte mit Flipflop-Wanderungen und entzündeten Stellen zwischen den Zehen kenne ich nur zu gut. Das habe ich auf Bali auch geschafft, die Entzündung kam aber erst auf Nusa Lembongan wo es eigentlich nichts gibt. Also auch keine Krankenhäuser. Auch ich habe es aber überlebt, obwohl die Hitze der Heilung nicht gerade förderlich ist.

    Viel Spaß weiterhin auf der Weltreise!!!

    Liebe Grüße
    Magdalena

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