Reisetagebuch #000 – Der Pre-Weltreiseeintrag

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110 Tage vor Abflug. Ich gebe meine Masterarbeit ab.

Wäre vorher beinahe noch vom Blitz getroffen worden, wäre fast abgesoffen, habe die Masterarbeit mit meinem Leben beschützt. :D Gebe sie ab, gehe schon ein kleines bisschen beflügelt aus der Uni, denn der größte Schritt, das größte Ding das noch auf meiner To-Do-Liste abgehakt werden musste, bevor es losgehen kann, wurde gerade abgegeben (nachdem ich mit Kuli noch ein Komma auf das Titelblatt gekritzelt habe, das da eigentlich nicht mal hingehört, das aber auf dem Antrag so steht… naja, wenn das Komma mich meiner Weltreise näher kommen lässt, dann bitte).

93 Tage vor Abflug. Ich mache mich, mit pochendem Herzen, auf den Weg zu meiner mündlichen Abschlussprüfung.

Kein Ding, bravourös gemeistert. JETZT kann mich wirklich nichts mehr aufhalten.

68 Tage vor Abflug. Ich bekomme ganz offiziell mitgeteilt, dass ich meine Masterarbeit bestanden habe.

Zugegeben, da hatte ich nicht wirklich darn gezweifelt, aber wenn ich vorher schon mit den Hufen gescharrt hatte, weil es doch eigentlich losgehen könnte, will ich jetzt noch viel, viel mehr los!

59 Tage vor Abflug. Ich fange an, diese Post zu schreiben.

Überlege zum ersten Mal, wie das so sein wird, einfach in den Flieger zu steigen und abzudampfen. Womöglich jede Menge zu Hause zu verpassen. Manchmal überlege ich, ob ich irgendwann mal Zweifel hatte, aber wenn ich ehrlich bin, kann ich mich einfach nicht daran erinnern. Seit der Entscheidung vor inzwischen über zwei Jahren, diesen Trip machen zu wollen, wollte ich immer nur, dass es endlich losgeht. „Vorfreude ist die schönste Freude“, sagt mein Vater. Wo er Recht hat, hat er Recht, aber so langsam würde ich dann doch ganz gerne die Freude des Unterwegsseins genießen. :D Es ist alles geplant, das wichtigste gebucht, fast alles bestellt und Marc und ich beide ordentlich urlaubsreif. Der letzte Urlaub, der auch nicht mal zwei Wochen dauerte, liegt inzwischen schon wieder über ein Jahr zurück, der Sommer in Deutschland lässt sich nicht wirklich blicken und meine Bikini Line ist nicht mehr existend.

59 Tage noch.

Das rede ich mir ein.

Jeden Tag streiche ich einen Tag von der Liste ab, hoffe, dass es so schnell wie möglich geht. Denke daran, wie ich in 59 Tagen mit dem Laptop am Flughafen sitzen werde, um diesen Post zu Ende zu schreiben. Denke darüber nach, wie ich mich dann wohl fühlen werde. Vermutlich noch cooler, als jetzt eh schon. :D

20 Tage vor Abflug. Der erste Abschied.

Meine Cousine fährt wieder nach Hause nach Hamburg und wird von unserem Abflug nicht noch mal in den Harz kommen. Wir umarmen uns, ich sage „Tschüss, bis zum nächsten Mal.“ Ist doch ganz normal, sich zu verabschieden.

9 Tage vor Abflug. Langsam werde ich nervös.

Ich dachte ja immer, ich wäre immun gegen Nervosität, aber jetzt hat sie mich doch getroffen. Allerdings aber nicht, weil ich Angst vor dem habe, was da auf mich wartet, sondern eher, weil ich Angst habe, nicht mehr alles vorher zu schaffen oder irgendwas vergessen zu haben. Mein Abschlusszeugnis wurde verschwitzt, ist immer noch nicht fertig und ich werde es vor meiner Abreise vermutlich nicht mehr selbst in den Händen halten können. Ja, das stresst einen irgendwie schon, hat man doch eigentlich alles perfekt geplant (und die Arbeit im Mai abgegeben, damit das Zeugnis bis Mitte September fertig wird hust). Man wird morgens wach und hofft, dass man nicht irgendwas doch vergessen hat. Die klassische Torschlusspanik.

Und dann war es so weit. Der Tag des Abflugs.

Da war ich irgendwie dann doch nicht mehr so nervös, weil ich auf dem Weg zum Flughafen bei „Reisegeschwindigkeit“ (so nennt mein Vater es charmant, wenn er 240km/h fährt) mich so darauf konzentriert habe, nicht zu kotzen – ich war Auto fahren bei so schnellen Geschwindigkeiten einfach nicht mehr gewöhnt. :D

Und dann wurde es irgendwie ganz ruhig. Wir gingen durch die Sicherheitskontrollen, warteten auf unseren Flug, konnten endlich einsteigen und da platze dann die Vorfreude völlig aus mir heraus – und noch viel mehr, als ich feststellte, wieviel Beinfreiheit wir doch haben einfach weil ich den besten Platz im ganzen Flugzeug ausgesucht hatte!

Jetzt ist schon der zweite Tag unserer Weltreise angebrochen. Und bis jetzt ist noch nicht wirklich etwas passiert. Wir sind angereist, weiter gereist, haben eine Unterkunft gesucht, versuchen, der gnadenlosen Hitze in Mexiko zu entkommen – und haben unsere ersten Tacos gegessen.

Eigentlich wollte ich diesen Post ja am Flughafen zu Ende schreiben, aber irgendwie war ich dann doch zu hibbelig, aufgeregt und glücklich dazu. Stattdessen jetzt also einen Tag später, ohne dass so wirklich was passiert ist, ohne, dass irgendwelche Worte dem Gefühl des endlich unterwegs seins gerecht werden würden. Egal wie glorreich ich es mir die zweieinhalb Jahre lang ausgemalt habe, als es dann so weit war – ja, war es einfach so weit und mehr nicht. Aber das Beste liegt jetzt ja auch vor uns!

Also bis zum nächsten Mal und bis dahin ein äußerst spanisches (denn ich schlage mich gut hier) ¡Hasta luegos!

2 Kommentare

  1. Hallo liebe Marlena!
    Ich habe gerade deinen Beitrag gelesen und fühle mit dir! Wir planen unsere Weltreise auch in 2 Jahre – der Entschluss ist quasi erst gefallen – und du sprichst mir jetzt schon aus der Seele.

    Viele liebe Grüße nach Mexico und ich freue mich auf weitere Beiträge von dir
    Magdalena

    Gefällt mir

    1. Liebe Magdalena! :) Ich antworte mal in Marlenas Namen, wer weiß wann sie das liest! Mir geht es ähnlich, ich werde auch erst in zwei Jahren losziehen, während Marlena aktuell vorzieht :)
      Es freut mich und sie bestimmt genauso, dass der Eintrag bei dir so gut ankommt. Wir versuchen das Reisetagebuch so gut es geht aufrecht zu erhalten! :)
      Liebe Grüße an dich!

      Gefällt 1 Person

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