Reisetagebuch #019 – Hunger.

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Kennt ihr das, wenn ihr so richtig doll Hunger habt, aber gerade nichts zu Essen in der Nähe ist?

Stellt euch das jetzt zwei ganze Tage lang vor.

Und wie ihr so noch mal eben 40km mit schwerem Rucksack auf den Schultern bergauf, bergab lauft.

So sahen unsere letzten Tage aus – weil wir zu blöd waren, vernünftig zu planen. 😀

Geschieht uns Recht, möchte man meinen, und da gehe ich voll mit, trotzdem eine Erfahrung, auf die ich gerne hätte verzichten können. Warum es sich aber dennoch so richtig gelohnt hat, werdet ihr hier später lesen.

Es war für uns, nach unserem letzten Mehrtagestrip Anfang Dezember, mal wieder Zeit für einen neuen Trip. Dafür hatten wir uns den Rakiura Track auf Stewart Island ausgesucht, ganz im Süden des Landes (dichter würden wir wohl nie wieder an den Südpol kommen), da dort die höchste Wahrscheinlichkeit bestand, einen Kiwi zu sehen.

Ausgelegt ist der Trip eigentlich für drei Tage, da der Campingplatz für die zweite Nacht aber in unserem Zeitraum leider voll ausgebucht war, entschieden wir uns einfach dazu, das ganze auf eine Nacht und zwei Tage zu verkürzen.

Das ganze war auch wirklich kein Problem, da der Track recht einfach zu laufen ist und nicht allzu lang.

Wir begannen nur, uns nach unserem letzten Trip zu siegessicher zu fühlen. Insbesondere, da wir ja sowieso NUR eine Nacht weg sein würden. Da braucht man doch nicht viel Essen mitschleppen, pfff.

Nun… hätte man schon gebraucht.

Vor allem, da unser Müsli am ersten Morgen nicht gerade lange angehalten hatte und wir ziemlich schnell Kohldamp bekamen, den wir nicht so recht stillen konnten.

Irgendwie habn wir uns dann den Tag über mit allerlei Kleinkram gerettet, aber selbst unser Abendbrot wollte nicht so wirklich reichen. Und da hunrig einschlafen auch keine Lösung war (an einem der schönsten Campingplätze überhaupt nebenbei bemerkt), plünderte ich noch den Rest unserer Konserven.

Und so standen wir am nächsten Tag mit einer Handvoll Müsliriegeln und einer Tüte matschiger Datteln da. Und hatten 18km vor uns. Rosige Aussichten also.

Bereits nach einer Stunde wandern der erste Hungerzusammenbruch, der mit einem zweitklassigen Müsliriegel gestillt wurde. Das half zwar kurzfristig, aber die Hallouzinazionen konnte er auch nicht verhindern. Ich hab doch tatsächlich ein riesiges Reh mit riesigem (ja, größer als bei uns in Deutschland!) weißem Puschelschwanz gesehen! Gut, Marc hat es auch gesehen… aber eigentlich gibt es doch keine Säugetiere in Neuseeland… und dieser Puschelschwanz… wir sind uns immer noch nicht sicher, ob das tatsächlich passiert ist.

Nach dem zweiten Müsliriegel dann die Erlösung – und wohl eine der schönsten Dinge, die uns bisher auf unserer Reise passiert sind: ahnungslos und ohne nach ihm zu suchen stoplerten, ja, wortwörtlich, wir plötzlich direkt auf dem Wanderweg über einen echten, lebendigen, wunderschönen, flauschigen Kiwi!

Der war gerade am frühstücken (ans essen habe ich in dem Moment ausnahmsweise wirklich mal nicht gedacht!) und ließ sich von uns in keinster Weise stören.

Wir standen nur wie versteinert da.

Wir hatten echt nicht damit gerechnet, einen Kiwi zu Gesicht zu bekommen, da die ja wahnsinnig selten sind und hatten uns deshalb auch gar nicht erst auf die Suche nach einem gemacht.

Und dann, als wir nicht nach ihm gesucht hatten, da haben wir ihn plötzlich gefunden!

Was für ein wahnsinns Moment! Wir haben ihn bestimmt fünf Minuten lang nur angestarrt, bis wir auch nur in Erwägung gezogen haben, die Kamera rauszuholen.

Danach liefen wir bestimmt eine Stunde lang wie beflügelt durch die Gegend, sagten immer „weißt du was? Ich habe einen Kiwi gesehen!“ und sangen „In the jungle, the mighty jungle, the kiwi sleeps todaaaaaaay!“.

Dann kam wieder der Hunger. Ohne Witz, ich konnte mich am Ende kaum noch auf den Beinen halten und bin eher so wie eine Leiche ins Hostel getaumelt. 😀 (das Rumgeheule erspare ich euch jetzt mal)

Als wir zurück in der Zivilisation waren, haben wir dann erstmal so richtig reingehauen.

Die nächsten zwei Tage haben wir noch den strahlenden, wenn auch sehr untypischen, Sonnenschein auf Stewart Island genossen und uns immer noch weiter gefreut, einen Kiwi gesehen zu haben. Was für ein Highlight!

Inzwischen sind wir wieder in Invercargill, werkeln noch ein wenig an unserem Blog herum und werden uns dann ins Fiordland aufmachen.

Bis dahin und

WIR HABEN EINEN KIWI GESEHEN!

Marlena

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